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NWA-Titel: Flair nur 9 mal Champion?
#1
Da sich das Peoplesboard ja immer mehr zum deutschen Wrestling-History-Board schlechthin entwickelt, stelle ich hier mal diesen Artikel von mir zur Diskussion, den ich bereits woanders gepostet habe. Vielleicht hat ja noch jemand von euch ergänzende oder korrigierende Informationen zum Thema parat Smile

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Wie ja eigentlich bekannt ist, ist Ric Flair weitaus öfter als 16-mal World Heavyweight Champion gewesen, so wie es World Wrestling Entertainment uns gerne vorgelogen hat. Insgesamt hat der Nature Boy 22 mal einen World Heavyweight Title getragen (Wenn man den WCW International World Heavyweight Title nicht mitrechnet, waren es nur 20 mal). Bei dieser Zahl werden für gewöhnlich 10 Regentschaften als NWA World Heavyweight Champion angenommen. Recherchen eines namhaften Wrestling-Historikers haben nun allerdings ergeben, dass zumindest eine dieser Regentschaften unter Umständen gestrichen werden müsste.

NWA World-Tour 1984: Ric Flair vs. Harley Race

1984 war vielleicht das größte Jahr des Nature Boy als World Champion überhaupt. Kurz zuvor hatte er den Veteranen Harley Race bei der allerersten Starrcade als Champion entthront und galt nun als die unangefochtene Nummer 1 in der Wrestlingwelt. Was lag also näher als Ric Flair rund um die Welt zu schicken, um ihn in den verschiedensten Ländern seinen World Heavyweight Title gegen alle möglichen Gegner verteidigen zu lassen. Am 20. März 1984 traf Ric Flair in Neuseeland auf seinen Vorgänger Harley Race in einem Rückkampf um den NWA World Title. Nach bisheriger Auffassung gewann Harley Race diesen Kampf und verlor den Titel nur wenige Tage später in Singapur an den Nature Boy zurück. Die NWA schwieg diese beiden Titelwechsel in den Vereinigten Staaten allerdings tot, erst in den Neunziger Jahren erkannte sie diese achte und letzte Regentschaft von Harley Race an. Bis heute sind die genauen Umstände, die zu diesen Titelwechseln geführt haben, ungeklärt geblieben.

Neue Enthüllungen um die damalige Storyline

Jetzt scheint der australische Wrestling-Historiker Libnan Ayoub allerdings etwas Licht in dieses Dunkel gebracht zu haben, was weitreichende Konsequenzen hinsichtlich der bisherigen NWA-Titel-Historie und der Anzahl der Regentschaften von Flair und Race haben könnte. Er fand heraus, dass der neuseeländische Promoter Steve Rickard das Finish des ersten Kampfes in Wellington am 20. März mit Flair und Race vereinbart hatte, um den Zuschauern zumindest das Gefühl zu geben, einen Titelwechsel erlebt zu haben, auch wenn dieser nicht von der NWA abgesegnet war. Harley Race gewann das Match nur durch einen Fast-Count, woraufhin Ric Flair den Zuschauern ankündigte, sich bei der NWA beschweren zu wollen. Der ebenfalls anwesende texanische Promoter Paul Boesch wurde in dieser "Storyline" damit beauftragt, die Beschwerde der NWA zu überbringen. Der Angle sah allerdings nicht Race als nun amtierenden Champion vor, sondern dass der Titel ab diesen Zeitpunkt "held up" sei und Race den Gürtel nur bis zur endgültigen Entscheidung der NWA behalten dürfe. Der Begriff "held up" bedeutet, dass bis zu einem bestimmten Zeitpunkt keine Titelkämpfe stattfinden durften, der Titel sozusagen für kurze Zeit ausgesetzt sei. Der Begriff ist nicht gleichzusetzen mit einer Vakanz.

Nun doch kein Titelwechsel?

Race behielt also den Gürtel, während das neuseeländische NWA-Territorium auf eine Entscheidung der NWA bezüglich der Titelsituation wartete. Am Folgetag trafen Flair und Race sogar in einem Rematch in Auckland aufeinander, in dem es ausdrücklich nicht um den Titel ging. Harley Race gewann auch diesen Kampf. Erst einen weiteren Tag später verkündete man die Entscheidung des NWA-Kommitees: Der Titelwechsel vom 20. März wurde aufgrund des Fast-Counts nicht anerkannt, Ric Flair sei weiterhin der World Heavyweight Champion der NWA und die achte Regentschaft von Harley Race wurde offiziell für nichtig erklärt. Am 25. März verteidigte Ric Flair dann seinen Titel erfolgreich gegen Harley Race in Singapur, bisher war man davon ausgegangen, dass Ric Flair hier seinen Titel zurückgewinnen konnte.

Konsequenzen für die Titelgeschichte

Ob und wie diese neuen Erkenntnisse in die NWA Title-Histories eingeflochten werden, hängt natürlich von dem Geschichtsverständnis der Webseitenbetreiber ab, die solche Titelgeschichten bereitstellen. Fest scheint zu stehen, dass Harley Race nicht mehr als achtfacher sondern nur als siebenfacher NWA World Heavyweight Champion anzusehen ist. Sein Titelgewinn in Wellington war schlichtweg ein Dusty-Finish ohne Auswirkungen, das nur für die Fans in Neuseeland präsentiert wurde. Schwieriger ist allerdings, wie man mit der "held up"-Situation umgehen soll. Man kann einerseits die Meinung vertreten, dass es in dieser Zeit keinen World Champion gab und für Ric Flair mit der Entscheidung der NWA vom 24. März eine völlig neue Regentschaft begann. Andererseits kann man die Entscheidung der NWA auch so auslegen, dass Ric Flairs vorherige Regentschaft nie geendet habe, die "held up"-Situation also nicht automatisch eine Vakanz-Situation gewesen ist. Würde man der zweiten Argumentation folgen, hätte Ric Flair nun eine Titelregentschaft weniger in seiner Karriere: Da zwei seiner Regentschaften zu einer einzigen vereint wurden, wäre Flair nur noch 9-facher NWA World Heavyweight Champion und somit insgesamt nur 21 mal World Heavyweight Champion gewesen.

Quelle für die Infos: Wrestlingclassics.com & otherarena.com
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#2
Ayoub ist großartig! Das es von ihm kommt, wundert mich nicht. Er hat eine riesige Sammlung an Turnierdaten aus dem Nachlass von Thomas Gannon. Ich hab ihn öfters mal was zu Europa geschickt. Könnte man eigentlich auch mal wieder angehen.

Was soll ich da noch korrigieren oder ergänzen? Breites Grinsen Die Frage ist nur, ob NWA Historiker Tim Hornbaker das genau so sieht. Letztlich ist er für mich der NWA Experte Nr. 1. Also ich werde mich hüten, mich über Ayoub zu stellen. Breites Grinsen

Ich hab mich mittlerweile davon verabschiedet, alles immer genau zu aktualisieren. Pantaleon hat mir mal gesagt, das man nie alles herausfinden kann, weil sich das sonst zur Krankheit entwickelt. Du weist ja, dass ich diese Krankheit schon hatte. Ich lese mal hier und mal da, was sich so tut. Aber kein Grund, alles zu ändern. Die Geschichte des Wrestlings wird immer zw. Wahrheit und Fiktion liegen!
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#3
Wirklich ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank. Ich bin wirklich begeistert, dass solche Geschichten auch heute noch, in der Zeit des Internets und der falschen Informationen, immer noch aufgedeckt werden.

Leider bietet es nicht viel Diskussionssstoff, da man nun nur auf eine Bestätigung oder ein Veto hinfiebern kann.

Nochmals danke dafür, zbyszko!
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#4
An Ronald:

Hornbaker hat die Recherchen von Ayoub zumindest auf seiner wieder auferstandenen Webseite übernommen.

-> http://payton23340.com/



An Adrian:

Eine "Bestätigung" werden wir da wohl nie erhalten, es sei denn Beteiligte wie Race oder Flair äußern sich mal dazu. Aber meistens erinnern sich die Wrestler ja viel weniger an solche Angles als die Fans. Die heutige NWA wird es wohl nicht bestätigen können, da ja schon die NWA der Neunziger Jahre es nicht schaffte, die damalige Situation ordentlich in ihre Titelgeschichte einzubauen, als sie es versucht haben.
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#5
Aber falls es Hornbaker nun auch so sieht wie Ayoub, dann ist das doch schon fast so viel Wert wie eine Bestätigung, oder nicht?
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#6
Naja.. auch ein NWA-Experte wie Hornbaker kann sich irren ;) Ist ja schließlich auch nur ein Mensch. Dadurch dass er sich hinter die Recherchen Ayoubs stellt, verleiht er diesen natürlich noch mehr Gewicht... aber sicher ist man in Sachen Wrestling ja nie. Vielleicht kommen in zehn Jahren wieder ganz andere Tatsachen ans Licht, die alles wieder umwerfen.
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#7
In Bezug auf den Wahrheitsgehalt im Internet: Sehe ich zwei geteilt: 1. Durch das Internet sind mehr Hintergründe ans Tageslicht gekommen; 2. Es ist deutlich geworden, dass man nicht auf die alte Literatur zum Wrestling verzichten kann.

Ob das nun wahr ist, bleibt eine Frage der Auslegung. Wer glaubt wenn was - oder - wer schreibt was über wen? Vor allem, wer schreibt es! Na ja - nehme ich zwar zur Kenntnis, aber die ganze NWA Geschichte bringt es nicht durcheinander. Ich wüsste mal gerne, was J. Michael Kenyon und Mike Chapman dazu sagen. Kenyon als großer Nachfolger von Nat Fleischer. Kenyon hatte vor kurzer Zeit irgendein Jubiläum: 50 Jahre als Historiker, oder so.(?)

Wenn beide das schreiben, dann muss man das akzeptieren. Ich kann nichts mehr anfügen, weil Ayoub die besseren Quellen hat. Na ja zumindest was Amerika und Australien betrifft. Bei Europa sieht es bei allen klamm aus, es sei denn, es kam von Gerhard Schäfer. Wenn der noch leben würde, hätte mich seine Meinung ja brennend interessiert. Schäfer war auch so sein Typ Alleswisser! Und dann letztlich diese riesigen Kampfrekorde, mit denen Leute wie Ayoub und Hornbaker heute noch arbeiten.
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#8
Ayoub und Hornbaker verdienen ja damit ihr Geld! Ich mache das ja als Hobby, was dann schon ein großer Unterschied ist. Hach, ich wünschte ich könnte damit auch mein Geld verdienen! Aber der Absatz von Büchern zum Catchen wäre in Deutschland zu klein. Sogar so klein, dass man sie wahrscheinlich im Privatdruck herausbringen müsste. Schäfer hat das 1982 bei Gustl Kaiser gemacht. Nicht wirklich ein Kracher! Bei Fanatikern wie mir sicherlich. Aber die Masse interessiert sich nicht dafür.
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