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Bildungssystem in Deutschland
#1
Ständig wird es diskutiert: Das dreigliedrige Schulsystem scheint so langsam ausgedient zu haben.
Problem ist, dass die Hauptschule immer mehr zur "Reste Schule" verkommt.
Es scheint mir auch so, dass die Ansprüche der Arbeitgeber immer mehr steigen. Arbeit, die früher ein Hauptschüler gemacht hat, macht heute ein Realschüler. Und eine Ausbildung, die früher ein Realschüler bekommen hat, bekommt heute ein Abiturient.
Ein neues Konzept ist die Gemeinschaftsschule, in der gemeinsam gelernt wird und nicht nach der 4. Klasse "ausgesiebt" wird.
Ich denke so ein Konzept könnte funktionieren, aber nur wenn auch wirklich alle 3 Schulsysteme integriert werden. Es würde keinen Sinn machen eine Gemeinschaftsschule und ein seperates Gymnasium anzubieten, wie es auch im Gespräch ist. Dann verkommt die Gemeinschaftsschule zur "Reste Schule"-
Was haltet ihr von dem Konzept und wie seht ihr die Entwicklung ? Seht ihr überhaupt Handlungsbedarf ?

Und noch etwas persönlicheres: Ich spiele mit dem Gedanken nach dem FSJ ein Lehramtsstudium zu beginnen. Ich schwanke noch zwischen Sekundarstufe (Hauptschule/Realschule) und Gymasial Lehramt. Was meint ihr, wie entwickelt sich die Schülerzahl in den nächsten 5 Jahren ? Hat man da gute Chance, wenn zum Beispiel die Gemeinschaftsschule kommt ?
Ich frage mich auch, wie das mit der Fächerkombination aussieht. Es heißt ja immer es werden Lehrer in naturwissentschaftlichen Fächer gesucht. Leider bin ich eine Niete in den Fächern, ich tendiere zu Deutsch/Englisch/Geschichte/ vielleicht Religion. Hat man da gute Berufsaussichten ?

Würde mich interessieren, eure Meinung zu dem Thema zu hören.
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#2
Meiner Erfahrung nach hängt es innerhalb der Berufsgruppen stark vom Arbeitgeber ab, wer einen Job bekommt und wer nicht. Ausgenommen Berufsgruppen die Hauptschüler grundsätzlich ausschließt. Da gibt es im Beispiel Kfz-Gewerbe durchaus Arbeitgeber die auch einen Hauptschüler nehmen, während wiederum andere Realschulabschluss mit Notendurchschnitt 2 als Mindestbedingung verlangen. Das Maß der Zumutbarkeit ist doch recht unterschiedlich. Grundsätzlich gilt aber: Desto besser der Abschluss, desto besser die Chancen.

Ich halte von einem neuen Bildungssystem nicht viel. Wer wie seinen Abschluss macht ändert daran nichts. Fällt für mich in die politische Schublade:"Hier wurde lange nicht gehandelt, also besteht Handlungsbedarf." Breites Grinsen

Zum persönlichen: Hier möchte ich dir mit auf den Weg geben: Lieber eine gute Nummer 2, als eine schlechte Nummer 1. Hoffe weisst was damit gemeint ist. Smile
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#3
Zitat:Original von TaKeRoCk
Ich halte von einem neuen Bildungssystem nicht viel. Wer wie seinen Abschluss macht ändert daran nichts. Fällt für mich in die politische Schublade:"Hier wurde lange nicht gehandelt, also besteht Handlungsbedarf." Breites Grinsen

Zum persönlichen: Hier möchte ich dir mit auf den Weg geben: Lieber eine gute Nummer 2, als eine schlechte Nummer 1. Hoffe weisst was damit gemeint ist. Smile

Ich glaube halt, dass ein langes gemeinsames individulles Lernen für viele Schüler gut sein könnte. Man hat dann nicht den Druck in jedem Fach gut zu sein, kann dann individuell gefördert werden. Im Idealfall helfen die Guten den etwas schlechten, diese verlieren den Mut am Lernen dadurch nicht. Das ist natürlich nur die Theorie.
Ich glaube schon, dass Handlungsbedarf besteht. In Ländern, die uns in der Pisa Studie voraus sind gibt es schon lange Gemeinsschaftschulen. Und ich sehe ein Problem darin, dass der Hauptschulabschluss immer weniger "wert" ist.

Zum persönlichen: Wer hat den gesagt, dass ich ein schlechter Gymnasiallehre werden würde ? Smile
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#4
Erstmal zum pragmatischen Teil:

Ich bin ja auch lehramtstudent(Gymnasium Mathe/Deutsch) und so wie das gerade aussieht und sich auch für die zukunft andeutet wirds zumindest am gymnasium wahnsinnig schwer wirklich einen Posten zu bekommen. Die einzigen Ausnahmen sind Mathe/Physik/Chemie. Ansonsten entweder gut sein, ne besondere Kombi haben oder pokern(Zum Beispiel Philosophie als eventuelles zukünftiges Fach mitstudieren).
Wie sich die Schule insgesamt entwickelt ist glaube Ich ziemlich Länderspezifisch, aber es lässt sich auf jedenfall leichter vom Gymnasiallehrer zum hauptschullehrer umstellen als umgekehrt, insofern ist Gymnasiallehramt sicherlich am flexibelsten und der Abschluss gibt dir auch mehr Möglichkeiten in der freien Wirtschaft wenns keine Jobs gibt.

Ansonsten ist unser Schulsystem vollkommen marode und braucht dringend eine Änderung. Gibt da ja wahnsinnig viel Studienmaterial von Pisa bis zu OSZE-Studien zur Durchlässigkeit; und bei vielen ist das Dreigliedrige Schulsystem meilenweit hintendran.
Die Frage ist doch, warum man Zwangsweise bei 10 jährigen Kindern schon mit massiven Selektionsmechanismen agieren muss. Eine Gesamtschule, wie ja auch in immer mehr Bundesländern favorisiert, bietet den "guten" ähnliche Möglichkeiten wie ein gymnasium, lässt aber nicht das "schlechte" Drittel liegen.
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#5
Naja, ich sehe das mit den Gemeinschaftsschulen eher kritisch. Das Hauptproblem sehe ich dabei in der "Asozialität". Ich kann nur für mich sprechen, aber habe mich immer selbst verschlossen in der Schule wenn ich Kurse mit bestimmten asozialen Leuten hatte, mit denen ich nicht klar kam. Klar kann das auch anders sein, aber es gibt immer Schüler die sich leicht verunsichern lassen und deswegen lieber auf zurückgezogen und unauffällig schalten. War bei mir auch ne lange Zeit lang so, zum Glück hat sich das mitlerweile gravierend geändert Breites Grinsen
Bezug nehme ich dabei auf die ganzen Stories die man über Hauptschulen hört, wer da nicht raucht, pöbelt, mobbt etc. hat keine Chance. Ich kenn die Situation selbst von ein paar Hauptschülern mit denen ich mal zu tun hatte, die irgendwie zwischen den Fronten standen. Damit will ich nicht alle Hauptschüler oder generell Hauptschulen pauschal als asi bezeichnen, nur dort ist halt das Potential für diese negative Entwicklung am höchsten. Und wenn dann Leute die gerne pöbeln, stören und alles kommentieren zusammen mit Leuten zusammen hocken, die gerne etwas lernen wollen und solche Leute eher "verachten" bzw. ihnen aus dem Weg gehen, könnte das vor allen in Deutschland große negative Folgen auf die allgemeine Lernbereitschaft und das Wohlfühlen an den Schulen haben. Sollte ich hier nicht ausreichend informiert sein und sollten Klassen/Kurse trotzdem nicht wahllos zusammengewürfelt, entschuldige ich mich. Aber selbst der Aufenthalt in Pausenräumen oder auf dem Schulhof kann schon enormen Einfluss auf die Lernbereitschaft und auch auf das Selbstbewusstsein haben.

Zu der Wahl ob du Lehramt studieren solltest kann ich wenig sagen, da ich ein miserabler Lehrer wäre und nicht verstehe, wieso man sowas gerne macht... Breites Grinsen
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#6
Zitat:Bezug nehme ich dabei auf die ganzen Stories die man über Hauptschulen hört, wer da nicht raucht, pöbelt, mobbt etc. hat keine Chance. Ich kenn die Situation selbst von ein paar Hauptschülern mit denen ich mal zu tun hatte, die irgendwie zwischen den Fronten standen. Damit will ich nicht alle Hauptschüler oder generell Hauptschulen pauschal als asi bezeichnen, nur dort ist halt das Potential für diese negative Entwicklung am höchsten.

Ich nehm Pauleta mal seine Aussage vorweg: Das allgemeine Argument der Gemeinschaftsschulbefürworter ist an dieser Stelle, dass sich solche Verhaltensweisen überhaupt erst durch die "Schulghettoisierung" herausbilden. Wenn man also Leute aus verschiedenen Hintergründen zusammen auf die gleiche Schule schickt, verhalten sich alle besser.

In Kanada hab ich direkt Erfahrungen mit einer Gesamtschule gemacht und ich kann sowohl Gutes als auch Schlechtes berichten. Es gab, denke ich, etwas weniger Leute, die wirklich komplett abgehängt waren (ich kenne das Bildungsniveau unserer Hauptschulen nicht, kann das deshalb nicht so genau sagen). Dafür war allerdings das allgemeine Niveau einfach schlecht. Was wir da in Mathe in der elften Klasse gemacht haben, war zum Totlachen. Wenn man dann noch bedenkt, dass sich deutsche Unidozenten mit absoluter Regelmäßigkeit über die Mathekenntnisse deutscher Schüler aufregen, dann sagt das alles. Meine Aussage zur Gesamtschule ist deshalb, auch wenn das natürlich auf Einzelerfahrungen beruht und nicht statistisch belegt werden kann, dass es Schwächeren sicherlich helfen könnte, dass aber auch ein sehr hohes Risiko besteht, den leistungsstarken Schülern enorm zu schaden, was wir definitiv nicht eingehen dürfen, es sei denn, wir wollen in Zukunft wie die USA unsere MINT-Stellen nur noch mit Einwanderern füllen. Sicherlich gibt es da bei der Gemeinschaftsschule Konzepte, die dem vorbeugen sollen. Eben das Anbieten von Kursen auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Hier ergeben sich allerdings für mich sehr viele Fragen: Wenn wir jetzt schon ein Problem damit haben, dass Kinder von Eltern, die Bildung schätzen, bei gleicher Intelligenz durch den zusätzlichen Ansporn bessere Ergebnisse erzielen, inwiefern soll dann ein System helfen, wo ein Schüler von sich aus entscheidet, wie schwer sein Kurs sein soll? Wenn Schulen jetzt schon oft Probleme haben, für jedes Fach Lehrer anzubieten, wie soll man dann für jedes Fach auch noch verschiedene Schwierigkeitsstufen anbieten? Und vor allem, wenn alles so frei wählbar ist, wie verhält es sich dann mit den Abschlüssen, deren Vergleichbarkeit eigentlich dringend verbessert werden muss?

Da hier jetzt auch schon wieder die PISA-Studie herangezogen wird: Ich kann und will eine Studie nicht ernst nehmen, die China auf dem ersten Platz sieht. Zurzeit arbeite ich bei uns am Campus sehr viel mit internationalen Studenten zusammen und komme dabei hauptsächlich mit Leuten aus Südostasien, China, Lateinamerika und den arabischen Staaten in Kontakt. Sämtliche Chinesen, mit denen ich zu tun habe, haben ihre Schulausbildung mit großartigen Abschlüssen beendet. Trotzdem halte ich sie nicht für besonders gut gebildet. Warum? Diese Studenten sind deshalb so gut, weil sie unglaublich gut und unermüdlich Auswendiglernen können. Das ist teilweise wirklich beeindruckt. Das Problem an der ganzen Sache ist nur: Sie können nicht abstrakt denken. Ändere ich einen Parameter bspw. einer Mechanik-Aufgabe, dann fangen die plötzlich wieder bei Null an. Das ist für mich keine Bildung und auch keine Intelligenz. Und das ist definitiv nicht das Ziel, das Deutschland sich setzen sollte. Soweit ich das von Leuten mitbekommen habe, die sich zurzeit in China befinden, findet bei denen da auch so langsam ein Umdenken statt.

Zum Abschluss vielleicht noch, wenn ich etwas am deutschen Bildungssystem ändern würde, was wäre es: Relativ einfach. Für den Anfang zwei Dinge. Erstens sollte man endlich aufhören ständig zu erzählen, man wolle mehr Lehrer einstellen und dann Lehrerstellen kürzen. Eine Klasse mit zwanzig Schülern lernt besser als eine Klasse mit dreißig Schülern. Das ist Fakt! Es ist vor allem eine Maßnahme, die sich sehr einfach bewerkstelligen ließe: Einfach mehr Lehrer einstellen. Und um das zu unterstützen, müsste man außerdem mehr Pädagogikkurse für Quereinsteiger anbieten, damit nicht mehr jeder Sozialgestörte in den MINT-Fächern Lehrer werden kann. Zweitens sollte man die Anzahl der Referendariate erhöhen. Ich kenne selber einige Lehramtsstudenten und wie selten die wirklich Kontakt mit Schülern haben, bevor sie dann tatsächlich Lehrer werden, ist wirklich erschreckend. Da könnte sowohl Schülern als auch Lehrern so einiges erspart bleiben.

Um auf die eigentliche Ausgangsfrage zurückzukommen: Welche Fächer gefragt sind, wenn du mit dem Studium fertig bist, kann dir keiner sagen. Die Nachfrage bei den MINT-Fächern wird wohl nicht als zu sehr schrumpfen, aber diese Aussage a la "Studier das. Das wird extrem gebraucht, wenn du mal mit dem Studium fertig bist." finde ich ziemlich unseriös in einer Zeit, in der sich alles so schnell entwickelt.
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