02.01.2012, 20:12
Nach diesem nun doch etwas ausführlichen Rückblick auf die einzelnen Fights von Brock Lesnar's MMA-Karriere möchte ich nun auf meinen Hauptbeweggrund dieses Review kommen.
"Brock Lesnar's (MMA)-Wrestling was a myth."
In den Stunden nach Overeem's Sieg über Lesnar und dessen Rücktritt vom MMA gab es etliche - zum Teil verzweifelte - Hardcore-Fans, welche Lesnar das beste Wrestling im MMA bescheinigten. Mal davon abgesehen das jemand wie z.B. Daniel Cormier damals wie auch heute wrestlerisch mit Brock Lesnar den Boden wischen würde gilt es vielleicht noch etwas im Bezug auf Lesnar's College-Wrestling aufzuklären:
Brock Lesnar ist ein "Freak of nature". Gesegnet mit unglaublciher Physis, Athletik und Genetik basierte der Großteil seines Erfolges bezüglich NCAA auf den Attributen von Kraft und Power. Stephen Neal hat Lesnar im NCAA Heavyweight Championship 1999 mit brillianter Technik überflügelt. Im Folgejahr wäre Lesnar dann sogar daran gescheitert das Gewichtslimit zu schaffen, die NCAA jedoch hob das Gewichtslimit kurzerhand um 10 lbs. an um Lesnar überhaupt die Teilnahme zu ermöglichen. Das diese Maßnahme zum riesigen Vorteil für Lesnar gewesen ist und sein NCAA-Titelgewinn im HW(+) im Jahre 2000 damit zu einem Großteil auch begründet werden muss ist selbsterklärend. Lesnar's 106-5 Record im Amateur-Wrestling kam ebenso größtenteils durch seine pure körperliche Überlegenheit zu Stande und nicht weil er das fleischgewordene Wrestlingbeast ist.
Wenn man heute Jon Jones' Siege diskreditiert, da er ja gegen jeden Gegner einen Reichweiten- und Größenvorteil hat dann muss man andersherum ebenso diese Umstände berücksichtigen wenn es um Brock Lesnar geht.
Den dahingehend verblendeten Anhängern von Brock Lesnar kann ich am Ende nur die Illusionen rauben: Von Lesnar's wrestlerischen Credentials hat sich ins MMA kaum etwas und auch nur dann etwas übertragen, wenn er auf Leute traf die entweder keine Wrestlingbase hatten oder zu Tode erschöpft gewesen sind. Sein technisches Wrestling war nicht nur zu NCAA-Zeiten schon fragwürdig sondern schlug vor allem im MMA praktisch nie durch. In seiner UFC-Karriere erzielte er die meisten seiner Takedowns durch Instinkt, Timing und rohe Gewalt und nicht mit Technik. Lesnar's Problem war auch meist nicht, dass er seine Gegner nicht zu Boden bekam (obgleich jeder kompetente Wrestler ihm dabei schon Probleme bereitet hatte) sondern vielmehr sie bis auf Heath Herring und Frank Mir nicht dort halten konnte. Ab da stand Lesnar mal abgesehen vom Punch gegen Couture auf verlonerem Posten. Im Stand-Up konnte er aus all den Vorzügen seines Körpers eben keine Vorteile mehr ziehen und vier Jahre Training an seinem Punkt des Lebens sind einfach zu wenig Zeit um sich entsprechend und in allen Facetten auf die Weltelite eines solchen Sports vorzubereiten. Solche Camps lassen sich auch mit Geld nicht kaufen.
Wie kam es nun aber dazu, dass so viele Fans dieser Illusion verfallen sind und Brock Lesnar dennoch einer der erfolgreichsten HW-Champions der Geschichte wurde? Hier die drei wichtigsten Punkte, auf welche Lesnar als Fighter keinen Einfluss hatte:
1. Die UFC-Heavyweight Division: Die Division war schon immer das Sorgenkind der UFC. Keine Konstanz, in der Tiefe dünn besetzt und oft von Verletzungen geplagt. Der Aufbau von neuen Stars oder Contendern gestaltete sich grundsätzlich schwierig, weil es sie nicht gab. Zudem hatte die Konkurrenz über die Jahre bis zum Merge von Pride FC und kürzlich Strikeforce mit der UFC einen großen Teils des restlichen Star- und Talentpools in Beschlag.
2. Brilliantes Matchmaking der UFC: Die Geschichte von Brock Lesnar in der UFC ist das absolute Meisterstück und die bisher größte Glanzleistung von Dana White, Joe Silva und den Fertitta-Brüdern wenn es darum geht einen Fighter an die Spitze zu führen. Man hatte bis zu Lesnar's Peak um Lesnar vs Mir II zu jeder Zeit den passenden und stylistisch geeigneten Gegner parat. Ich würde locker so weit gehen, dass die Art und Weise wie man Lesnar eingesetzt hat noch weit über die Qualität der Bildung des Legendenstatus von Chuck Liddell hinausgeht, welcher bekanntlich der wahrscheinlich größte Poster-Boy der UFC gewesen ist.
3. Glück: Das z.B. Randy Couture zu dieser Zeit der Champion war und die Kerze quasi schadlos an Lesnar weitergeben konnte war ein glücklicher Zufall im perfekten Augenblick. Niemand würde sich über dieses Matchup beschweren, die Gründe dafür sind teilweise im Fight Review schon aufgeführt worden: Lesnar und Couture drawten gute PPV-Buys, Captain America himself war der Inbegriff von geschenkten Title-Shots und einen Couture-Fight kritisiert man in den USA schon gleich gar nicht. Außerdem ist es aus meiner Sicht als glücklich einzustufen, dass mit Blick auf die Fights gegen Mir II oder Carwin die Wendepunkte im Fight zumeist durch schwere Fehler seiner Gegner begünstigt wurden.
Ich denke es war die richtige Entscheidung von Lesnar nach dem Fight gegen Overeem abzutreten. Erstens die Geschichte mit seiner Diverticulitis, zweitens die Tatsache das eine weitere Entwicklung auf seiner Seite auch dadurch unterbunden werden würde und sonst auch nicht zu sehen war und drittens dürfte auch ein großter Teil seines Mythos und Hypes mit der Niederlage gegen Overeem gestorben sein. Hatte man im Fanlager von Lesnar nach Carwin und Velasquez noch die Kriegstrommeln angeschlagen und das Argument der vorhandenen Wrestlingerfahrung seitens dieser Gegner gebracht, so zog dieses bei Overeem nun einfach nicht mehr.
Im Vorfeld dieses Kampfes gab es unheimlich viele Predictions in amerikanischen und auch deutschen MMA-Foren, welche im Endeffekt so aussahen:
- "Overeem has no takedown defense and cardio, He can't wrestle with Brock and when Lesnar shoots and takes him down he will maul/destroy/rape/fuck up Overeem."
- "Brock by KTFO in round 1. Overeem has a glass jaw."
- "Overeem will gas as soon as Brock gets a hand on him. Lesnar wrestlefucks him prison style."
Gerade für Lesnar's überhyptes MMA-Wrestling ist die Niederlage gegen Overeem der Todesstoß. Ein Kickboxer ohne Wrestlingbase wird vom "weltbesten Wrestler im MMA" (laut Lesnar's Fanbase) weder am Boden dominiert noch überhaupt zu Boden gebracht und stattdessen ins Retirement gekicked. Warum? Weil Overeem einer der Fighter ist welcher zumindest die gleiche Physis und vor allem null Respekt für Lesnar's Striking mitbrachte. Lesnar kam nichtmal dazu Takedowns vorzubereiten und hat den telegraphierten Shoot von außen gerade wegen der Kniestöße vermieden, welche ihm bis zum Liverkick schon ordentlich zugesetzt hatten.
Nichtsdestotrotz muss man Brock Lesnar für das Erreichte gebührlichen Respekt zollen. Er kam als Greenhorn mit nichts als kompetetiver Erfahrung aus dem NCAA-Wrestling und einem Körper mit seltenen Attributen in einen Sport, welcher Lücken und Fehler normalerweise gnadenlos bestraft. Er überwand zwei schwerwiegende Krankheitsfälle, zeigte Herz und Emotionen, erreichte mehr als vermutlich jeder je von ihm erwartet hätte und verhalf einem großartigen und interessanten Sport eine neue Stufe der Popularität zu erreichen. Auf seine Antics bin ich den Reviews mit Absicht nicht eingegangen, da diese früher oft genug diskutiert wurden und nicht zuletzt auch dazu beitrugen Aufmerksamkeit und Publicity zu erzeugen. In eigener Sache muss ich allerdings sagen, dass er nach UFC 100 und sicherlich auch durch die Erfahrungen mit seinen Krankheiten eine bessere und akzeptablere Persönlichkeit entwickelt hat. Es steht außer Frage das auch Onkel Fester (Anm. d. Redaktion: Dana White) dort sicherlich seine Finger im Spiel gehabt haben wird, aber grundsätzlich hat sich Lesnar zuletzt zu einem Fighter gewandelt, der in der UFC HW-Division genauso fehlen wird, wie in der Kasse der UFC.
In diesem Sinne wünsche ich Brock Lesnar viel Gesundheit und alles Gute für die Zukunft, wohin sie ihn auch führt. Farewell, Brock!
[Bild: http://250kb.de/u/120105/j/mu6vuPgnCUx5.jpg]
"Brock Lesnar's (MMA)-Wrestling was a myth."
In den Stunden nach Overeem's Sieg über Lesnar und dessen Rücktritt vom MMA gab es etliche - zum Teil verzweifelte - Hardcore-Fans, welche Lesnar das beste Wrestling im MMA bescheinigten. Mal davon abgesehen das jemand wie z.B. Daniel Cormier damals wie auch heute wrestlerisch mit Brock Lesnar den Boden wischen würde gilt es vielleicht noch etwas im Bezug auf Lesnar's College-Wrestling aufzuklären:
Brock Lesnar ist ein "Freak of nature". Gesegnet mit unglaublciher Physis, Athletik und Genetik basierte der Großteil seines Erfolges bezüglich NCAA auf den Attributen von Kraft und Power. Stephen Neal hat Lesnar im NCAA Heavyweight Championship 1999 mit brillianter Technik überflügelt. Im Folgejahr wäre Lesnar dann sogar daran gescheitert das Gewichtslimit zu schaffen, die NCAA jedoch hob das Gewichtslimit kurzerhand um 10 lbs. an um Lesnar überhaupt die Teilnahme zu ermöglichen. Das diese Maßnahme zum riesigen Vorteil für Lesnar gewesen ist und sein NCAA-Titelgewinn im HW(+) im Jahre 2000 damit zu einem Großteil auch begründet werden muss ist selbsterklärend. Lesnar's 106-5 Record im Amateur-Wrestling kam ebenso größtenteils durch seine pure körperliche Überlegenheit zu Stande und nicht weil er das fleischgewordene Wrestlingbeast ist.
Wenn man heute Jon Jones' Siege diskreditiert, da er ja gegen jeden Gegner einen Reichweiten- und Größenvorteil hat dann muss man andersherum ebenso diese Umstände berücksichtigen wenn es um Brock Lesnar geht.
Den dahingehend verblendeten Anhängern von Brock Lesnar kann ich am Ende nur die Illusionen rauben: Von Lesnar's wrestlerischen Credentials hat sich ins MMA kaum etwas und auch nur dann etwas übertragen, wenn er auf Leute traf die entweder keine Wrestlingbase hatten oder zu Tode erschöpft gewesen sind. Sein technisches Wrestling war nicht nur zu NCAA-Zeiten schon fragwürdig sondern schlug vor allem im MMA praktisch nie durch. In seiner UFC-Karriere erzielte er die meisten seiner Takedowns durch Instinkt, Timing und rohe Gewalt und nicht mit Technik. Lesnar's Problem war auch meist nicht, dass er seine Gegner nicht zu Boden bekam (obgleich jeder kompetente Wrestler ihm dabei schon Probleme bereitet hatte) sondern vielmehr sie bis auf Heath Herring und Frank Mir nicht dort halten konnte. Ab da stand Lesnar mal abgesehen vom Punch gegen Couture auf verlonerem Posten. Im Stand-Up konnte er aus all den Vorzügen seines Körpers eben keine Vorteile mehr ziehen und vier Jahre Training an seinem Punkt des Lebens sind einfach zu wenig Zeit um sich entsprechend und in allen Facetten auf die Weltelite eines solchen Sports vorzubereiten. Solche Camps lassen sich auch mit Geld nicht kaufen.
Wie kam es nun aber dazu, dass so viele Fans dieser Illusion verfallen sind und Brock Lesnar dennoch einer der erfolgreichsten HW-Champions der Geschichte wurde? Hier die drei wichtigsten Punkte, auf welche Lesnar als Fighter keinen Einfluss hatte:
1. Die UFC-Heavyweight Division: Die Division war schon immer das Sorgenkind der UFC. Keine Konstanz, in der Tiefe dünn besetzt und oft von Verletzungen geplagt. Der Aufbau von neuen Stars oder Contendern gestaltete sich grundsätzlich schwierig, weil es sie nicht gab. Zudem hatte die Konkurrenz über die Jahre bis zum Merge von Pride FC und kürzlich Strikeforce mit der UFC einen großen Teils des restlichen Star- und Talentpools in Beschlag.
2. Brilliantes Matchmaking der UFC: Die Geschichte von Brock Lesnar in der UFC ist das absolute Meisterstück und die bisher größte Glanzleistung von Dana White, Joe Silva und den Fertitta-Brüdern wenn es darum geht einen Fighter an die Spitze zu führen. Man hatte bis zu Lesnar's Peak um Lesnar vs Mir II zu jeder Zeit den passenden und stylistisch geeigneten Gegner parat. Ich würde locker so weit gehen, dass die Art und Weise wie man Lesnar eingesetzt hat noch weit über die Qualität der Bildung des Legendenstatus von Chuck Liddell hinausgeht, welcher bekanntlich der wahrscheinlich größte Poster-Boy der UFC gewesen ist.
3. Glück: Das z.B. Randy Couture zu dieser Zeit der Champion war und die Kerze quasi schadlos an Lesnar weitergeben konnte war ein glücklicher Zufall im perfekten Augenblick. Niemand würde sich über dieses Matchup beschweren, die Gründe dafür sind teilweise im Fight Review schon aufgeführt worden: Lesnar und Couture drawten gute PPV-Buys, Captain America himself war der Inbegriff von geschenkten Title-Shots und einen Couture-Fight kritisiert man in den USA schon gleich gar nicht. Außerdem ist es aus meiner Sicht als glücklich einzustufen, dass mit Blick auf die Fights gegen Mir II oder Carwin die Wendepunkte im Fight zumeist durch schwere Fehler seiner Gegner begünstigt wurden.
Ich denke es war die richtige Entscheidung von Lesnar nach dem Fight gegen Overeem abzutreten. Erstens die Geschichte mit seiner Diverticulitis, zweitens die Tatsache das eine weitere Entwicklung auf seiner Seite auch dadurch unterbunden werden würde und sonst auch nicht zu sehen war und drittens dürfte auch ein großter Teil seines Mythos und Hypes mit der Niederlage gegen Overeem gestorben sein. Hatte man im Fanlager von Lesnar nach Carwin und Velasquez noch die Kriegstrommeln angeschlagen und das Argument der vorhandenen Wrestlingerfahrung seitens dieser Gegner gebracht, so zog dieses bei Overeem nun einfach nicht mehr.
Im Vorfeld dieses Kampfes gab es unheimlich viele Predictions in amerikanischen und auch deutschen MMA-Foren, welche im Endeffekt so aussahen:
- "Overeem has no takedown defense and cardio, He can't wrestle with Brock and when Lesnar shoots and takes him down he will maul/destroy/rape/fuck up Overeem."
- "Brock by KTFO in round 1. Overeem has a glass jaw."
- "Overeem will gas as soon as Brock gets a hand on him. Lesnar wrestlefucks him prison style."
Gerade für Lesnar's überhyptes MMA-Wrestling ist die Niederlage gegen Overeem der Todesstoß. Ein Kickboxer ohne Wrestlingbase wird vom "weltbesten Wrestler im MMA" (laut Lesnar's Fanbase) weder am Boden dominiert noch überhaupt zu Boden gebracht und stattdessen ins Retirement gekicked. Warum? Weil Overeem einer der Fighter ist welcher zumindest die gleiche Physis und vor allem null Respekt für Lesnar's Striking mitbrachte. Lesnar kam nichtmal dazu Takedowns vorzubereiten und hat den telegraphierten Shoot von außen gerade wegen der Kniestöße vermieden, welche ihm bis zum Liverkick schon ordentlich zugesetzt hatten.
Nichtsdestotrotz muss man Brock Lesnar für das Erreichte gebührlichen Respekt zollen. Er kam als Greenhorn mit nichts als kompetetiver Erfahrung aus dem NCAA-Wrestling und einem Körper mit seltenen Attributen in einen Sport, welcher Lücken und Fehler normalerweise gnadenlos bestraft. Er überwand zwei schwerwiegende Krankheitsfälle, zeigte Herz und Emotionen, erreichte mehr als vermutlich jeder je von ihm erwartet hätte und verhalf einem großartigen und interessanten Sport eine neue Stufe der Popularität zu erreichen. Auf seine Antics bin ich den Reviews mit Absicht nicht eingegangen, da diese früher oft genug diskutiert wurden und nicht zuletzt auch dazu beitrugen Aufmerksamkeit und Publicity zu erzeugen. In eigener Sache muss ich allerdings sagen, dass er nach UFC 100 und sicherlich auch durch die Erfahrungen mit seinen Krankheiten eine bessere und akzeptablere Persönlichkeit entwickelt hat. Es steht außer Frage das auch Onkel Fester (Anm. d. Redaktion: Dana White) dort sicherlich seine Finger im Spiel gehabt haben wird, aber grundsätzlich hat sich Lesnar zuletzt zu einem Fighter gewandelt, der in der UFC HW-Division genauso fehlen wird, wie in der Kasse der UFC.
In diesem Sinne wünsche ich Brock Lesnar viel Gesundheit und alles Gute für die Zukunft, wohin sie ihn auch führt. Farewell, Brock!
[Bild: http://250kb.de/u/120105/j/mu6vuPgnCUx5.jpg]
