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FFF 2004
#7
James Wan Debut wird im Programmheft nicht umsonst als legitimer Nachfolger von David Finchers Seven angepriesen. Vieles erinnert an Finchers Meisterwerk, was garantiert nicht unbeabsichtigt ist, sondern vielmehr als Verneigung vor Seven zu verstehen ist.

Zwei Männer, Dr. Gordon und Adam wachen angekettet in einem schäbigen Raum auf. Beide wissen nicht wie sie an diesen Ort gelangt sind. Zwischen ihnen liegt die Leiche eines Mannes, der sich scheinbar selber getötet hat. Beide Männer finden in ihrer Hose eine Kassette, durch die ihnen eine verzerrte Stimme mitteilt, dass Adam sterben wird und Dr. Gordon diese Tat ausführen wird, sonst muss seine Familie sterben. Mit diesem klaustrophobischen Szenario beginnt Wans Film. In Rückblenden erfährt der Zuschauer nun mehr über die beiden Protagonisten und auf welche Art der Killer vorgeht.

Diese Rückblenden sind in Saw jedoch eine sehr zweischneidige Sache. Zum einen sind sie nötig, um die Hintergründe des Films zu erklären. Dabei scheinen einige Rückblenden, vor allem Dr. Gordon betreffend, als unwichtig und lassen einen Großteil der Spannung verfliegen, sind jedoch für den Ausgang des Films von enormer Wichtigkeit. Die Rücknahme der Spannung an sich ist auch nicht unbedingt falsch, da man in den ersten 15 Minuten vor lauter Dichte der Spannung und Atmosphäre kaum Atmen kann. Allerdings gelingt es Wan danach nur sehr selten wieder die Spannung komplett aufzubauen und erreicht nur höchst selten auch nur annähernd die Dichte der ersten Sequenz.
Dies ist auch auf Wans Verspieltheit mit der Technik zurückzuführen. Manche Szenen wirken unfreiwillig komisch, sollen jedoch wahrscheinlich nur die Spannung steigern, bewirken aber um Endeffekt nur das Gegenteil.

Gelungen ist dabei durchaus das Schema mit dem der Serienkiller ans Werk geht. Wollte John Doe in Seven der Menschheit ihr sieben Todsünden vorführen, verfolgt der Killer in Saw das Ziel die Menschen, die er bedroht zu läutern. Jedoch läuft diese Läuterung nicht ohne den Tod eines anderen Menschen ab, so dass der Killer das Morden oft nicht selber unternimmt, sondern wie oben beschrieben oft ausführen lässt. Die Opfer haben also die Chance zwischen ihrem eigenen Leben und dem Leben eines anderen zu unterscheiden. In diesen Mord- und Opferbildern sind auch die eindeutigen filmischen Referenzen an Seven zu sehen, da Ore und Farben doch sehr an Seven erinnern.
Geht Seven dabei in einer gradlinigen Richtung vor, die nur ein Ziel verfolgt, fehlt dieses inhaltliche Ziel in Saw leider vollkommen. Dort dienen die Taten nur als Mittel zum Zweck. Dieser Zweck ist hier nur das Ende. Dieses ist durchaus überraschend und lässt den Film in einem ganz anderen Licht erscheinen, was durchaus als sehr positiv zu sehen ist, da man gezwungen ist den Film im Kopf noch einmal durchzuspielen. Allerdings fehlt leider auch ein wenig der springende Punkt, das Klicken, welches es eben in Seven gab.

Herausstechend neben den ersten 15 Minuten ist vor allem das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Cary Elwes und Leigh Wannell. Ihre Darstellung von gegenseitigem Vertrauen und Misstrauen in ihrer extremen Situation hilft nach den ersten Rückblenden wieder halbwegs Spannung in den Film zu bekommen und ihre Szenen sind eindeutig die stärksten des Films. Leider schafft Wan es immer wieder durch falsch eingesetzte Effekte, die neu entstandene Spannung wieder großteils zu minimieren, so dass ein erneuter Aufbau stattfinden ist. Diese Drosselung der Spannung ist an manchen Stellen garantiert nötig, jedoch geschieht dies leider viel zu oft, was die Qualität des Film deutlich senkt.

Was bleibt ist eine durchaus gelungene Hommage an Seven, die auch versucht auf eigenen Beinen zu stehen und auch einige Höhepunkte, sowie ein unerwartetes Ende zu finden. Leider ist das Ende jedoch nur die halbe Miete und im Mittelteil begeht Wan zu viele kleine Fehler, die dazu führen, dass sein Erstlingswerk nicht im Gesamtbild nicht so stark erscheinen lässt wie dies Anfang und Ende alleine erscheinen lassen würden. Dabei ist sein Kardinalsfehler die Verschachtelung der Geschichte und die Erzählungen der Hintergründe in Rückblenden, die die Spannung reduzieren und nötig sind, aber auch Längen produzieren und die Spannung danach nur selten wieder das hohe Anfangsniveau erreicht. Alle Fans von Seven dürften jedoch nicht enttäuscht werden. Zarten Gemütern ist jedoch angeraten vor dem Anschauen des Films dreimal zu überlegen, ob man sich mit der teilweise exzessiver Gewaltdarstellung wirklich auseinandersetzen will.
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Nachrichten in diesem Thema
FFF 2004 - von blinky - 15.07.2004, 14:35
[Kein Betreff] - von RDLA - 15.07.2004, 16:09
[Kein Betreff] - von blinky - 15.07.2004, 16:12
[Kein Betreff] - von RDLA - 15.07.2004, 16:17
[Kein Betreff] - von blinky - 15.07.2004, 16:22
[Kein Betreff] - von RDLA - 15.07.2004, 17:17
[Kein Betreff] - von RDLA - 12.08.2004, 17:21
[Kein Betreff] - von RDLA - 12.08.2004, 17:21
[Kein Betreff] - von RDLA - 12.08.2004, 17:22
[Kein Betreff] - von blinky - 27.08.2004, 12:31

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