02.12.2011, 14:00
2. Dezember
Die gute, alte Adventszeit war auch als Kind nicht nur schön. Der Hauptgrund dafür war eine große Herausforderung. Es gab sie im Kindergarten, in der Schule, bei den Verwandten und in der Kirche. Meistens brachte uns unsere liebe Mutter, die uns eigentlich beschützen sollte, in die Bredouille. Noch genau höre ich den Satz: "Ach Geeps, wäre das nicht schön, wenn du dieses Jahr mal ein Gedicht vorträgst." Die kluge und richtige Antwort wäre ein laut gebrülltes "Nein!" gewesen, doch wie es noch mal früher: "Geschenke gibt es nur für liebe Kinder." Und so siegte auch hier, wie in vielen Bereichen der Erziehung, die psychologische Kriegsführung. Im Grunde gab es nur einen Trick, um aus der Nummer herauszukommen: Man musste darauf hoffen, in einer Gruppe zu sein und die Aufgabe auf jemand anders abwälzen. Mein Umfeld und ich beherrschten diesen Trick so hervorragend, dass diese grausame Aufgabe meist auf die selbe Person fiel, die die als einzige ein Gedicht auswendig konnte und es nicht extra neu lernen musste. Und so hörten wir jedes Jahr ein und dasselbe Gedicht. Manche Dinge, die man oft zu hören bekommt, hängen einem zum Hals raus und zu manchen entwickeln man eine sehr seltsame, kaum erklärbare Bindung. Dieses Gedicht gehört zu letzteren.
Die gute, alte Adventszeit war auch als Kind nicht nur schön. Der Hauptgrund dafür war eine große Herausforderung. Es gab sie im Kindergarten, in der Schule, bei den Verwandten und in der Kirche. Meistens brachte uns unsere liebe Mutter, die uns eigentlich beschützen sollte, in die Bredouille. Noch genau höre ich den Satz: "Ach Geeps, wäre das nicht schön, wenn du dieses Jahr mal ein Gedicht vorträgst." Die kluge und richtige Antwort wäre ein laut gebrülltes "Nein!" gewesen, doch wie es noch mal früher: "Geschenke gibt es nur für liebe Kinder." Und so siegte auch hier, wie in vielen Bereichen der Erziehung, die psychologische Kriegsführung. Im Grunde gab es nur einen Trick, um aus der Nummer herauszukommen: Man musste darauf hoffen, in einer Gruppe zu sein und die Aufgabe auf jemand anders abwälzen. Mein Umfeld und ich beherrschten diesen Trick so hervorragend, dass diese grausame Aufgabe meist auf die selbe Person fiel, die die als einzige ein Gedicht auswendig konnte und es nicht extra neu lernen musste. Und so hörten wir jedes Jahr ein und dasselbe Gedicht. Manche Dinge, die man oft zu hören bekommt, hängen einem zum Hals raus und zu manchen entwickeln man eine sehr seltsame, kaum erklärbare Bindung. Dieses Gedicht gehört zu letzteren.
Zitat:Die Weihnachtsmaus von James Krüss
Die Weihnachtsmaus ist sonderbar
(sogar für die Gelehrten),
denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.
Mit Fallen oder Rattengift
kann man die Maus nicht fangen.
Sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.
Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.
Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem Mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.
Da sagte jeder rundheraus:
"Ich hab es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen."
Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan von Peter,
was seltsam und erstaunlich war,
denn niemand fand es später.
Der Christian rief rundheraus:
"Ich hab es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen."
Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andern leckren Dingen.
Die Nelly sagte rundheraus:
"Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen."
Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen: "Welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da,
und just am Feiertage!"
Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
"Sind erst die Süssigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden!"
Und wirklich wahr:
die Maus blieb weg, sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.
Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus -
bei Fränzchen oder Lieschen -
da gäb es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bisschen!
Doch sag ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen!

Dann lieber doch das Original.

