Erinnern wir uns: Deutschland hatte in beiden Spielen kaum Torgelegenheiten.
Erinnern wir uns auch: Es zeichnete vor allem unsere Mannschaft bei der letzten WM aus, dass die Gegner (wie etwa Argentinien und England) durch dynamischen Offensivfußball bezwungen wurden. Die Abwehr war damals schon nicht fehlerfrei und es geschahen in Vorrunde, Achtel- und Viertelfinale einige Patzer, die durch die sehr gute Offensive kompensiert werden konnten.
Im Finale 2008 war Spanien wirklich zu stark, zumal ich mich erinnere, in diesem Spiel sehr "blutleer" vor dem TV gesessen zu haben, da Kampf und Wille unserer Mannschaft absolut nicht vorhanden waren (in einem Finale!).
Nun nochmal zu 2010. Ich verstehe nicht, wie man gegen einen Gegner, der sich seine Spielstärke durch Ballbesitz aufbaut, bezwingen möchte, indem man sein erfolgreiches Konzept des Offensivfußballs aufgibt, um eine defensive (beinahe schon Mauer-) Taktik zu fahren, obwohl die eigene Abwehr wissentlich nicht die sattelfesteste dieser WM gewesen ist. Zumal Spanien auch nicht sein System umstellte, "nur" weil sie gegen die Deutschen ran mussten. Ihre Abwehr war zwar nominell unseren Defensivleuten überlegen, jedoch geraten auch diese gegen eine gut durchdachte Offensive unter Druck (siehe Niederlage gegen die Schweiz in der Vorrunde).
Warum also läßt man von der offensichtlich eigenen Stärke ab (welches für die Schwäche des Gegners geradezu prädestiniert war), um Spanien ein Spiel "aufzuzwingen", welches ihnen mehr als nur in die Hände spielt?
Der Spielablauf war ähnlich frustrierend wie im Finale 2008, jedoch hätte dies meiner Meinung nach in keinstem Fall so sein müssen, wären die Stärken der eigenen Mannschaft in der Taktik auch weiterhin so beibehalten worden, wie man Tage zuvor England und Argentinien erfolgreich bezwingen konnte.
Ob es im Endeffekt für einen Sieg gereicht hätte, vermag ich nicht zu sagen, jedoch wäre vielleicht zumindest das Gefühl der weißen-Flagge-schwenken nicht so zum Vorschein getreten.
Zitat:Müller hat gefehlt und die Mannschaft war allg. etwas zu mutlos. Lahms Kapitänsdiskussion hat sicher auch nicht geholfen.
Das Fehlen von Thomas Müller war (in seiner damaligen Form) sicher eine Schwächung, aber keine Entschuldigung für (wie Du schon sagtest) mutloses Auftreten und schon gar nicht für das taktische Konzept. Zudem frage ich mich, wie eine Mannschaft mutlos sein kann, die in ihren letzten beiden Spielen zwei Mitfavoriten auf den Titel geradezu bravourös nach Hause geschickt hat. Da muss doch auch im Vorfeld schon viel verkehrt gelaufen sein in der mentalen und taktischen Marschroute. Und dafür ist nunmal der Trainer und sein Team zuständig.
Lahms Äußerungen zur Kapitänslage waren sicher nicht glücklich, jedoch darf so eine "Kleinigkeit" keine Ausrede für ein WM-Halbfinale sein.
Wie gesagt, ich hoffe bestenfalls auf zwei Begegnungen gegen die derzeit beste Mannschaft der Welt. Zum einen dem Fußball wegen und zum anderen weil es mich interessiert, wie das Trainerteam mit unserer (jetzt noch stärkeren) Mannschaft gegen den Welt- und Europameister antritt. Sie sagen ja selbst, dass sie jeden schlagen können, dann dürfen sie das auch gerne 2x gegen Spanien zeigen. ;)