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Nef`s Voice vom 26.10.07-Where are the great Villains?
#1
Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Nef`s Voice. Vor einiger Zeit habe ich das Buch “Pro Wrestling Hall of Fame - The Heels” von Greg Oliver und Steven Johnson durchgelesen. Ein Buch das man im uebrigen sehr empfehlen kann, wie eigentlich alles von Oliver und Johnson. Beim lesen des Buches habe ich mich erwischt wie ich mich fragte `Wo sind die grossen Villains geblieben?`, sodass das Buch mich jetzt zu dieser Kolumne inspirierte. Aber nicht nur das Buch natuerlich, sondern wir haben ja schliesslich auch Halloween am kommenden Mittwoch, die Zeit der Psychos, der Monster, der Maniacs, der Sickos, und der Villains. Fragt euch mal selbst, wann war das letzte mal als ein Wrestler euch Angst machte? Nein ich meine nicht irgendein Flip Flopper oder Diva die vom Seil irgendeinen Dive upfucken, und ihr angst gehabt habt das ihnen etwas ernsthaftes passiert ist. Ich meine, wann war das letzte mal als ein Boesewicht euch wirklich Angst machte?

Wenn man jetzt bedenkt das das Wort “Villain“ auf sogut wie keinen Heel mehr heute zutrifft, ist es kein Wunder das ich sehr lange brauchte um meine eigene Frage zu beantworten. Die meisten Heel`s kann man heute eigentlich in drei Kategorien einteilen, die Assholes, die Badasses, und die coolen Typen. Was ich jedoch meine ist ein Villain, der euch Angst macht wenn er euch gegenuebersteht, oder gegen euren Lieblings Wrestler antritt. Einen Villain den ihr NICHT treffen wollt ausserhalb einer Arena. Einen Villain wo ihr denkt das er euch Nachts in einer Strasse verpruegeln wuerde, und dann eure Koerperteile per FedEx an eure Freunde schicken wuerde. Ich rede von Villains wie einem Johnny Valentine, von einem Boris Malenko, Freddie Blassie, Gene Kiniski, Mark Lewin oder Killer Kowalski. Sucht mal so einen Villain in der heutigen Zeit, um euch die Antwort abzunehmen, es gibt keinen! Die heutigen Heels fokusieren sich mehr darauf das sie cool sind, und gehasst werden, anstatt das sie gefuerchtet werden. Es ist leichter einen coolen Asshole darzustellen, als einen gefuerchteten Mann. Einen angsteinfloessenden Charackter zu erschaffen braucht Fantasie, etwas was wohl mit am meisten verloren gegangen ist in den letzten Jahren, und damit meine ich nicht nur die Wrestler, Promoter oder Booker. Der letzte Villain der mir einfaellt, und der auf die Kriterien zutrifft ist Kane von der WWF 1997. Auf dem Papier sah es gut aus, ein Psychopat der eine Maske traegt weil er seine Narben im Gesicht verstecken wollte. Zum Teil haette es sogar funktionieren koennen, und Glen Jacobs in der Rolle war die perfekte Besetzung. Aber am ende kam wieder nur der typische Heel in der heutigen Zeit heraus, der oefters turnte als Britney Spears ihre Maenner in einem Jahr wechselt, und man deshalb den Charackter nichtmehr als Villain annehmen konnte.

Wenn ich an einen wirklichen Villain denke, dann faellt mir sofort ein Name ein, Hannibal Lecter. Er ist vielleicht der groesste Villain in der Film Geschichte, wie auch in Thomas Harris`s Buechern. Nun ich erwarte nicht das ein solcher Charackter im Pro Wrestling uebernommen wird, und es waere wahrscheinlich schrecklich anzuschauen wenn ein Wrestler wie Hannibal Lecter auftretten wuerde, und das Woche fuer Woche. Ein Wrestler als Kannibale waere natuerlich auch nicht aktzeptabel, wobei es ja eine Promotion gibt die auch schon Vergewaltigungsstorylines, einen Necrophilia Angle, Leichenschaendungen, Todesfaelle, Mordfaelle und jede Woche zahlreiche Koerperverletzungen den Fans praesentiert, da ist also Kannibalismus nichtmehr soweit entfernt. Aber davon mal abgesehen, waere ein Hannibal Lecter Charackter nur ein Ripoff, das sowieso abgelehnt werden wuerde, weil jeder wuesste das es ein Ripoff ist. Jedoch hat Hannibal Lecter Charackteristiken die einen grossen Villain auszeichnen, und die kann man sehr wohl uebernehmen im Professional Wrestling. Es ist nicht wirklich eine Wissenschaft, um drei einfache Qualitaeten eines Villains aufzuzaehlen die es jedoch heute kaum mehr gibt:

1. Intelligenz!
Eines der angsteinfloessendsten Eigenschaften von Hannibal Lecter war seine Intelligenz. Ein Monster ist immer angsteinfloessender wenn es auch noch schlau ist, weil es damit zeigt das die Aktionen einen bestimmten Grund haben der zummindest fuer ihn einen Sinn ergibt. Ein echter Villain macht nicht etwas Unrechtes, nur weil er Spass daran hat. Ein echter Villain denkt erstmal ueberhaupt nicht das er etwas falsches macht! Er weiss das die anderen davon Schaden nehmen, aber er versteht es nicht das er bestraft werden muss, weil fuer ihn seine Handlungen gerechtfertigt sind. Nun kommen wir zum Pro Wrestling mal, die meisten heutigen Heels verhalten sich wie Idioten, okay das gilt allerdings auch fuer die meisten Babyfaces. Hier haben wir ein Beispiel warum Kane nie ein guter Villain war. Er zwang eine Frau ihn zu heiraten, griff den CEO einer Firma an fuer die er arbeitete, und misshandelte jemand anderes damit das er die Eier von ihm an den Autobatterien anschloss. Das alles sind Handlungen die von keiner Intelligenz sprechen. Ein Intelligenter Charackter haette das nicht gemacht. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen, Triple H. Trips hat den Charackter das er gefaehrlich ist, weil er schlau ist! Wenn Triple H spricht, dann merkt man das er ein Intelligenter Mensch sein muss. Das Problem von Trips ist jedoch das seine Handlungen genau das Gegenteil sind, zudem Charackter denn er verkoerpert. Triple H erinnert mich an einen James Bond Villain. Er hat teuflische Plaene, die jedoch so bescheuert und kompliziert sind das jeder mit einem IQ von 50 die Plaene schon Wochen im voraus erkennen kann. Ein grosser Villain muss den Leuten nicht erzaehlen wie schlau er ist. Ein grosser Villain verhaelt sich einfach schlau! Etwas was ich seit Jahren im US Wrestling vermisse. Intelligenz, Logik und einen Grund fuer die Tat haben immer die Aktionen eines Villains!

2. Ein Villain hat immer etwas was man mag!
Wenn wir das erstemal in “Silence of the Lambs“ Hannibal Lecter sehen, dann hat er etwas an sich das man mag. Man hasst den Typen natuerlich, aber wenn man mal von der Zelle absieht, dann ist er ein charmanter Mann, und er bringt auch einen zum laecheln, und fuer eine kurze Zeit vergisst man vielleicht das man gerade einem Serien Killer zuhoert. Und genau das ist es was ihn so angsteinfloessend macht. Wie kann ein Mann der so Intelligent ist, der so witzig ist das man schmunzelt, solche Verbrechen begehen? Es schockiert einen wenn man spaeter im Film Hannibal Lecter sieht wie er zwei Sicherheitsleute attackiert, waehrend er im ersten Teil des Films geradezu hilflos wirkt. Bei Verbrechern denkt man haeufig das sie sich von unserer Gesellschaft unterscheiden, und leicht erkennbar sind, aber die Wahrheit ist, sie sind es nicht! Das ist ein Problem im Pro Wrestling. Die Unterschiede zwischen dem “Good Guy“ und “Bad Guy“ sind zum teil so gross, das es schon fast wie im Cartoon wirkt. Und auf der anderen Seite, sind die Unterschiede schon so gering, das man nichtmehr weiss wer nun der Heel oder der Face ist. Aber um Beispiele zubringen, die Heels im Pro Wrestling verstehen sich komischerweisse untereinander immer gut, bis einer turnt und dann ist er automatisch der Feind. Alle Heels hassen auch die Zuschauer, und sobald sie turnen lieben sie die Zuschauer. Heels sind zu Berechenbar geworden, weil sie auf dem Heel-o-meter immer vollgas geben. Ein Heel sollte nicht immer betruegen, nicht immer den Face jagen sondern auch mal einen anderen Heel. Und ein Heel sollte nicht immer etwas sagen was das buhen bei den Zuschauern ausloesst, sondern auch ruhig mal etwas sagen was man moegen will. Wenn heute ein Heel etwas sagt, weiss man in den meisten Faellen was kommt. Die “Angst“ ist also nicht vorhanden, weil es zu voraussehbar ist, und man die Heels ohnehin als Boese abtut, mit denen man nichts gemeinsam hat. Ein Villain sollte auch ruhig mal seinen Gegner loben, oder ihn Anerkennen. Das wuerde es unberechenbarer machen.

3. Selbstbeherrschung!
Hannibal Lecter hat niemals mit Wut gehandelt, noch hat er niemals seine Emotionen ueber sich gewinnen lassen. Jede Handlung war vorher genau durch geplannt und ausgefuehrt. Eine Greultat die geplannt, durchdacht und ausgefuehrt wurde, ist viel angsteinfloessender als eine Handlung die durch Emotionen hervorgerufen wurde. Wenn ein Mensch viel Aufwand und Zeit fuer ein Verbrechen aufwendet, ist es viel angsteinfloessender als bei einer Kurzschlusshandlung. Auch hier disqualifiziert sich der Charackter Kane fuer einen Villain, genauso wie Triple H. Trips ist so oft mit seinen boesen Plaenen beschaeftigt, das er sich niemals fragt:“Ist das auch das intelligenteste was ich machen kann?“ Oder um Edge zunennen, er verliert so oft die Kontrolle oder seine “Coolness“, weil er sich aergert. Emotionen gehoeren zum Pro Wrestling und zu Heels dazu, aber die angsteinfloessendsten Villains waren immer die, die keine Emotionen zeigten, und Eiskalt handelten. Hierzu gehoert auch das Sprechen! Heutige Heels sind ueberwiegend Screamers, die in der Regel immer schreien und fluchen. Das gab es auch frueher, aber damals war es eine Ausnahme und somit was besonderes, heute ist es die Regel. Wenn ein Heel schreit und flucht, zeigt er nicht seine Intelligenz, und oft geht das was gesagt wird, indem ganzen schreien und fluchen unter. Die meisten heutigen Heels schreien und fluchen jedoch, weil sie gerade NICHTS zusagen haben! Der Grund warum Nick Bockwinkel so gefuerchtet wurde zu seiner Zeit ist unter anderem, das er niemals seine Stimme erhoben hat in Interviews. Er redete immer gelassen, und versuchte seine Taten zu erklaeren. Bockwinkel blieb immer ernsthaft, und somit nahm man Bockwinkel auch ernst. Die Leute hoerten Bockwinkel wirklich zu WAS er sagte, wenn er geschrien haette, dann waere das WAS er sagte total untergegangen. Wenn Bockwinkel sprach, dann suchte man das Woerterbuch heraus, weil man Woerter hoerte wo man die Bedeutung ueberhaupt nicht kannte.


Nick Bockwinkel um bei dem Beispiel zu bleiben zeigte in seinen Interviews drei Dinge die einen grossen Villain ausmachen, seine Intelligenz, etwas was man an ihm mag, und seine Selbstbeherrschung! Man hasste Nick Bockwinkel nicht nur, sondern man fuerchtete ihn auch. Von einem Johnny Valentine habe ich nie etwas gesehen, was keinen Sinn ergibt, oder unlogisch erscheint im Ring, das selbe gilt fuer Boris Malenko. Wenn man die heutigen Heel Performer anschaut, dann kann man leicht zu dem schluss kommen, das die Zeit des intelligenten Villains vorbei ist. Heutige Wrestler verhalten sich eher wie der “Tasmanian Devil“ oder “Wile E Coyote“ anstatt Villains die man fuerchtet.
Nefercheperur
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#2
Eine absolut geniale Kolumne Nef, spannend geschrieben, super Vergleiche, einfach alles stimmt!

Durch diese Kolumne merkt man irgendwie das Pro Wrestling total schlecht wurde, denn ich habe noch nie einen richtigen Villain in Action gesehen und Kane war für mich das schlimmste was ich mir vorstellen konnte. Vielleicht könnte man zur heutigen Zeit auch noch Abyss als Beispiel nennen, der keine Intelligenz aufweist, ich persönlich mag nichts an ihm, und seine Pläne sind total idiotisch und niemand wird ihn je verstehen. Wenigstens ist er so nicht wie alle anderen durchschaubar, aber man merkt halt schon das die meisten Aktionen durch seine momentanen Emotionen hervorgerufen wurden, als er gegen Sting turnte, wieder mit ihm ein Tag Team bildete und gegen seinen Manager turnte und wieder umgekehrt.

Ich werde mich auf jeden Fall mal über diese Top Heels informieren und muss unbedingt mal so ein Interview von Nick Bockwinkle finden.

Nochmals ein grosses Kompliment und danke!
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#3
Gute Kolumne, muss dir in allen Punkten zustimmen.

Wenn man die Beschreibung so sieht, könnte man nach Kane höchstens noch den Boogeyman nennen. Einerseits ist der Charakter mehr als plump, aber im Grunde auch etwas mysteriös und durchdacht aufgebaut. Keine hastigen Sachen, in Ruhe seinen Müll abgezogen und die Gegner haben sich auch noch gefürchtet ^^
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#4
Was ist mit dem Undertaker Anfang der 90er? Damals sicher ein mehr als "gefürchteter" Charakter.
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#5
Ich bin schrecklich was Daten anbelangt, aber es gab für mich eine Zeit, da war Trips recht gut dargestellt, seine Frau bejubelt Jericho etc...was dann darin gipfelte das er sich den Undisputed Title holte. Oder The Rock gegen Austin bei seiner letzten richtigen Wrestlemania (besonders dieses Match mochte ich sehr).

Ok, im Gegensatz zu früher waren das nur sehr kurze Momente, meist nicht länger als drei Wochen...aber immerhin, für mich als Jungspund des Wrestlings, die Momente wo ich Interesse entwickelte. Ok, und nun geißelt mich. ;)
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#6
Erstmal muss ich sagen, wie eigentlich immer, gut gelungene und durchaus treffende Kolumne. Für mich ist der Charakter, der noch am ehesten daran kommt der Raven in seiner anfangszeit bei WCW. Die dunklen Promos, die Stimme, das in sich gekehrt sein, das passte schon alles ziemlich gut.

Der Vergleich, dass Kane so hätte werden KÖNNEN stimmt durchaus auch. Wenn ich mich an die D-X in Deutschlandtour erinnere glaube 98 oder so, da hat sich schon beim einzug von Kane kaum wirklich einer Richtung "Rampe" getraut und nachdem er verloren hatte und relativ wütend Backstage ging, hat man echt gesehen, wie imer da wo er grad war, die Leute von der Absperrung zurückwichen. Nur wir wissen ja was aus dem großen "Villain" Kane geworden ist.
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#7
Ich denke mal Kane sein aufbrausender Charakter wurde anfangs gut durch die Begleitung von Paul Bearer kaschiert, allerdings hielt das ja auch nicht lange und damit gingen auch die einzigen Kriterien, die zu einem Villain passen würden flöten.

Ich hab mich auch gefragt ob der Undertaker auch mal so eine Zeit hatte. Also Ende der 90er habe ich den Charakter jedenfalls gefürchtet, mag aber auch daran liegen, dass ich da noch jünger war. Die Handlungen waren teilweise auch recht plump, wenn ich an die Sache mit Mideon oder die Entführung von Steph denke. Wobei man das mit Steph auch als intelligenten Schachzug ansehen kann, da man somit den CEO der Federation erpressbar macht. Ich fand diese Zeit ziemlich genial bis es dann zum Zusammenschluss mit Vince, Shane etc. kam.
Geht der Ministry of Darkness Undertaker als Villain durch?

edit: Raven ist denke ich mal auch ein Charakter der in die Richtung geht. Allein, wie er immer in der Ringecke saß war schon genial und Ravens Aktionen waren auch recht unvorhersehbar. Allerspätestens als Goldberg das ganze Flock zerstören durfte war das allerdings auch vorbei.
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#8
Der Einzige dem ich damals nicht in die Quere kommen wollte, war Vader. Als jugendlicher Wrestlinggucker hat der mir wirklich fast sowas wie Angst gemacht. lag aber auch nur an seiner körperlichen Erscheining. Ansonsten war er ja auch eher der typische hirnlose Monsterheel
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#9
Das Aussehen eines Heels macht für mich eigentlich sehr viel aus, denn es ist und bleibt halt der erste Eindruck. Früher als Kind hatte ich panische Angst vor Viscera, ich hätte alles getan um dem nicht in die Quere zu kommen. Ansonsten sollte King Curtis auch noch erwähnt werden, ich glaube Nef hat hier mal Bilder von ihm gepostet.
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#10
Danke fuer euer Feedback! Smile
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