10.07.2011, 02:59
Zitat:Original von TheRaven666
Um mal meinen Senf zur Frauenfußball-WM abzugeben:
Vorweg: Als direkter Verwandter einer Bundesligaspielerin und ehemaligen Junioren-Nationalspielerin bin ich schon vom Interesse her grundsätzlich etwas näher an dem Geschehen des Frauenfußballs dran als so manch anderer (Fairweather-)Fan. Ich konnte den Hype um die WM im eigenen Lande im Falle der Frauen-WM allerdings nicht wirklich nachvollziehen.
Natürlich ist da ein großes Interesse diese Event wirtschaftlich möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Wenn aber so offensichtlich Schwachsinn verzapft wird wie im Vorfeld zu dieser WM, dann braucht man sich nicht wundern wenn man auch die Kritiker hinter dem Ofen hervorlockt.
Man nehme einfach nur mal ein paar Stilblüten der Vergangenheit: Ein DFB-Vize, welcher der Frauen-Natio "Zweitliga-Niveau" der Männer attestiert. Eine Selektion der besten Fußball-Frauen des Landes, welche innerhalb von 10 Minuten gegen 9. und 10-Klässlern einer U17-Jugendmannschaft des VfB Sttutgart mit 0:3 in Rückstand gerät. Eine Birgit Prinz, welche als ehemalige Heldin und Rekordspielerin während der WM abgesägt wird. Eine Silvia Neid, welche leichte Züge eines Louis van Gaal offenbart. Eine WM, die praktisch schon verordnete Einigkeit und verordnetes Fansein vermittelt.
Das sind nur mal ein paar der Eindrücke, welche ich trotz allem Jubel und Hypes nicht vergessen habe. Was mir in den letzten Wochen aufgefallen ist: Gerade die, welche vom Tagesgeschäft im Frauenfußball so gut wie gar keine Ahnung haben und eigentlich auch nichts mitkriegen, haben zuletzt am lautesten gebrüllt wie toll die Frauen-Nationalelf doch ist. Pah, seit ewigen Zeiten bei einer WM nicht mehr geschlagen! Das machen wir doch mit Links! Fuck yeah, go Deutschland! Gerade dieses Verhalten war es, welches mir die Galle hat hochkommen lassen und wofür ich nur Kopfschütteln übrig hatte.
Zur eigentlichen WM: In all dem Hype und Getöse um die WM und die deutsche Nationalelf der Frauen war dem fachkundigen Beobachter ziemlich schnell klar, dass es fast so kommen musste wie heute Abend geschehen. Der Frauenfußball ist die letzten Jahre um einiges enger zusammengerückt. Nicht umsonst vermisst man dieses Mal die überdeutlichen Ergebnisse, die absolut dominanten Spiele und die Klassenunterschiede der Vergangenheit. Der ignorante Gelegenheits-Fanboy kann das natüülcih nicht wissen - aber gerade die getroffenen Hunde sind es ja, die dann am lautesten bellen...nicht wahr?
Die deutsche Mannschaft hat das gesamte WM-Turnier über nicht gut gespielt. Auch die Leistungen der anderen WM-Teilnehmer war nicht unbedingt das, was man im Vorfeld erwartet hätte. Zudem waren die Leistungen der Randfiguren, wie Schiedsrichter und Kommentatoren und Reporter teilweise auch unterirdisch schwach. Kommentatoren die ihrer subjektiven Sichtweise fröhnen, anstatt objektiv zu berichten. Reporter, die mehr damit beschäftigt waren Birgit Prinz nachzustellen als die sportlich wichtigen Fragen zu stellen. Schiedsrichterinen, die keinerlei Kontrolle über das Spiel haben, keinerlei Maß erkennen lassen und dazu noch horrende Fehlentscheidungen treffen. Nicht zuletzt die Spielerinnen, welche durch viele horrende Fehlpässe, Stockfehler, wenig Spielfluss, mangelnde Ballkontrolle und Kreativität glänzten. Sehr selten waren die Momente und Aktionen, welche von Genialität, Kreativität und Technik geprägt waren. Viel Kick & Rush, viel Gebolze, streckenweise auch viel Geholze.
Fazit: Diese WM war (bis dato!) alles andere als gute Werbung für den Frauenfußball. Wer jetzt wirklich immer noch glaubt, das dieser Hype oder das (größtenteils geheuchelte und erzwungene) Interesse im Anschluss an die WM weiterbestehen wird, dem wünsche ich jetzt wirklich nur noch gute Besserung. Es mag sicher auch Ausnahmen gegeben haben und einige der wenigen schönen Standards haben nicht zuletzt viel von dem Elend halbwegs erträglich scheinen lassen. Aber seien wir ehrlich: Wären die Torhüterinnen nicht teil- und streckenweise inkompetent, hätte es noch weniger sehenswerte Aktionen und Tore gegeben.
Nur noch eines zum Abschluss: Vor nicht allzulanger Zeit wurde einem hochrangigen Vertreter im deutschen Fußball die Frage gestellt, warum er den Frauenfußball nicht mit mehr Geldern unterstützt und weiter aufbaut - und stattdessen mittlerweile sogar der Basketballabteilung mit mehr Aufmerksamkeit und finanzieller Fürsorge unter die Arme greift. Die Antwort darauf lautete sinngemäß ungefähr so: "Ich unterstütze gerne die Sportarten und Sparten, welche die Leute und Fans sehen wollen. Deshalb erhält die Basketballabteilung mehr Unterstützung als die Abteilung für den Frauenfußball."
Dieser hochrangige Vertreter war niemand geringerer als Uli Hoeneß. Und bevor jetzt die Hoeneß-Hater wieder die Keule auspacken: Wenn der Mann eines tut, dann ist es Wahrheiten auf den Punkt gebracht aussprechen. Der Mann lebt den Fußball seit etlichen Jahrzehnten. Er weiß aber besser als jeder andere, dass zu den Clubspielen der Frauen im Schnitt nichtmal 1500 Zuschauer anreisen - und das sagt eigentlich alles. 16 Mio. Zuschauer beim WM-Auftakt gegen Kanada hin oder her: Von den 16 Mio. haben 15,5 Mio. nichtmal beim Gipfeltreffen des Clubfußball der Frauen, dem CL Finale zwischen Lyon und Potsdam im Jahr 2011 eingeschalten. Die Sportschau hat keinerlei Bedarf auch nur 10 Minuten pro Wochenende dem Frauenfussball zu widmen. Also hört mir auf mit dem patriotistischen Gehabe und dem geheuchelten Interesse. Wenn ein Rolf Töpperwien den Frauenfußball-Populisten bei "Hart aber fair" raushängen lässt ist das eine Sache - das man den Kerl nicht mehr ganz ernst nehmen kann und er nicht mehr alle Kisten auf dem Laster hat weiß man spätestens seit seiner Streichholz-Alkohol-Aktion im Kokainrausch. Wenn aber eine halbe Nation den "Fan aus Pflichtgefühl" raushängen lässt und vier Wochen später weiß keiner mehr so recht warum und weshalb er das eigentlich gemacht hat, dann finde ich das ehrlich gesagt ziemlich lächerlich.
So, und nun nach all der Kritik zieh' ich noch eben den flamefesten Feuerschutzanzug an, bevor mich die potentiellen Fanboys und Hater zu rupfen versuchen.
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Es bleibt nicht viel Anderes zu sagen, weil dieser Post meine Meinung ziemlich genau auf den Punkt bringt. Ich würde mich jetzt keinesfalls als Frauenfußballexperte ausgeben, da ich das nicht bin, aber ich bin einer der interessierteren Gucker und ich musste diesen groben Klassenunterschied zwischen Frauen- und Männerfußball ebenfalls feststellen! Man kann es so viel leugnen wie man will, aber das oben angebrachte Beispiel sagt doch alles! Ich habe sogar noch ein weiteres aus meiner Umgebung:
Die Frauen Bundesliga Mannschaft des HSV hat gegen eine B-Jugend Verbandsliga Mannschaft (also eine ordentliche, aber keinesfalls überragende Jugendmannschaft) sang- und klanglos mit 4:2 verloren. Daran sieht man eindeutig, dass der Frauenfußball ein sehr niedriges Niveau im Gegensatz zum Männerfußball hat, tut mir leid, aber da kann man mich nicht umstimmen!
Diese WM war nicht nur für das deutsche Team eine herbe Enttäuschung, sondern auch für alle Personen, die daran beteiligt waren, seien es Offizielle, Promoter oder Fans, es lief so einiges schief und das liegt auch am nicht vorhandenen Breiten-Interesse an Frauenfußball. Dieses Interesse wird es aus gutem Grund auch nach der WM nicht mehr geben, wie man nun sehen kann. Es ist sehr schade, aber im fußballerischen Bereich muss man einsehen, dass man die Geschlechter nicht vergleichen kann und das wahrscheinlich auch nie möglich sein wird.
Versteht mich nicht falsch, ich finde Frauenfußball nicht schlecht, ganz im Gegenteil, was ich von den jungen Spielerinnen auf einem Turnier gesehen habe, welches ich gepfiffen habe, war teilweise sogar wirklich große Klasse, aber gleichzeitig muss man auch realistisch bleiben und die Kirche im Dorf lassen, wie man so sagt, denn wettkampf- und mediatechnisch wird Frauenfußball dem Männersport niemals Konkurrenz machen! :winke:
