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Die größten Promoter des Wrestlings
#11
Literaturhinweis zur Stu Hart Biografie:

Pain and Passion: The History of Stampede Wrestling
Heath McCoy, 2005

Power Wrestling Special Nr. 5 "Canadian Special - Die Geschichte der Hart Familie"
2001
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#12
Teil 6 - Morris Sigel

Das Wrestling in Texas wird heute in erster Linie mit Namen wie Fritz Von Erich und Paul Boesch assoziiert. Es gab jedoch eine Zeitspanne, noch vor ihnen, da gehörte dieser Bundesstaat bereits zum Olymp des Professional Wrestlings. Zu verdanken ist das einem Mann gewesen, der sich schon früh als äußerst fähiger Promoter bewährt hatte. Von Anfang an bildete er ein Team aus Matchmakern, Bookern und fast allen anderen Promotern des Südwestens. Sein System provozierte aber auch ebenso große Auseinandersetzungen, die mit zu den Härtesten in der gesamten NWA zählten. Als sich Julius Sigel 1929 aus Houston zurückzog, begann die Ära seines jüngeren Bruders Morris Sigel. Er war der größte Promoter im Südwesten für mehr als 30 Jahre.

Morris Sigel wurde als Sohn von Ike and Annie Sigel am 31. Oktober 1898 in New York geboren. Er entstammte einer zum Teil aus Russland eingewanderten Familie. 1909 zogen sie nach Harris County, Texas um. Noch vor dem Jahr 1920 erfolgte schließlich der Umzug nach Houston, wo Morris zunächst als Angestellter der Kirby Lumber Company und dann im Office der Zeitung “Houston Post” arbeitete. Sein Vater Ike und der ältere Bruder Julius verdienten ihr Geld als Schrotthändler. Die Karriere eines Wrestling-Promoters war hier für Morris noch nicht ersichtlich. Das territoriale System des Amerikanischen Wrestlings, so wie wir es seit Jahrzehnten kennen, begann sich in den 1920er Jahren zu entwickeln. An immer mehr Orten begannen die Promoter teils heimische, teils überregional bekannte Wrestler zu pushen. Mitte der 20er Jahre setzte diese Entwicklung auch verstärkt in Texas ein. Morris’ älterer Bruder Julius Sigel hat dabei einen ersten wesentlichen Schritt unternommen. Er veranstaltete ab 1924 Box- und Wrestlingshows, die er schließlich 1925 ins populäre Houston City Auditorium verlagerte. Jeden Freitagabend trat dort die lokale Prominenz gegeneinander an. Doch durch seine Kontaktaufnahme zu den größten Promotern dieser Zeit Jack Curley, Paul Bowser und Billy Sandow, holte Julius Sigel auch national bekannte Wrestler nach Texas. Die Tradition der Freitagabend Shows blieb selbst Jahrzehnte später noch unter Morris und dessen engsten Mitarbeiter, Paul Boesch, bestehen. Hielt Curley bislang das Monopol im Wrestling, so änderte sich dies 1922. Ein aus Iowa stammender Wrestler trat der seit 1914 bestehenden Billy Sandow-Ed “Strangler” Lewis Gruppe bei, Joe “Toots” Mondt. Das als “Gold Dust Trio” bekannte Team etablierte sich national an beiden Küsten. Bis 1925 kontrollierten Sandow und Lewis das Wrestling faktisch alleine. Sandow’s Truppe tourte quer durch die USA und etablierte dabei lokale Promoter, die sich dem Team anschlossen.

Julius’ Ehrgeiz brachte auch den drei Jahre jüngeren Morris ins Promotergeschäft. Vorher noch bei der Houston Post angestellt, wechselte er ins Office seines Bruders. Als dieser am 15. November 1926 den “Gulf Athletic Club” in Houston formierte, war der endgültige Startschuss für die Dominanz der Sigel’s im Südwesten gefallen. Um 1927 begann Julius damit seine Shows vermehrt im benachbarten Bundesstaat Louisiana (Shreveport und New Orleans) und im Nordosten von Texas abzuhalten. 1929 schließlich schlug die Stunde für Morris Sigel, als sich Julius komplett aus Houston zurückzog, um sein Office in Shreveport zu managen. Morris übernahm das erfolgreiche System seines Bruders und bildete Anfang der 30er Jahre ein Team aus Matchmakern und lokalen Promotern. Er führte Tag Team Matches und Battle Royals in seinen Shows ein. Was klein anfing, sollte später große Formen annehmen. Zu seinen frühesten Mitarbeitern gehörten Russel Bonham und Schwager Frank Burke. Bald jedoch, so um 1932 herum, kam ein studierter Mediziner aus Pennsylvania dazu, Dr. Karl Sarpolis. Sarpolis war davor Wrestler, konnte aber als Matchmaker wesentlich größere Erfolge erzielen. Die Stärke, die Sigel bald im Südwesten erreichte, war maßgeblich durch Sarpolis zustande gekommen. Ein weiterer wichtiger Mitarbeiter im Houston Office war auch Paul Jones, Sigel’s Ringrichter. Jones wechselte später nach Georgia, wo er 1944 das “Atlanta ABC Booking” eröffnete. Der Gulf Athletic Club wurde durch Morris im August-September 1933 umstrukturiert. Sigel erhielt erstmals eine offizielle Lizenz für Box- und Wrestlingshows von der Texas State Labor Commission, die das Austragen von Kampfsport-Veranstaltungen zur gleichen Zeit legalisierte. Geschickt verstand es Sigel, die Kommission an sich zu binden, die ihn 33 Jahre lang, also solange er aktiv war, kräftig unterstützte. Nach der Neuformierung vom Gulf Athletic Club konstituierten sich Sigel, Sarpolis und Burke zur “Texas Wrestling Agency”. Eine Booking-Gesellschaft, die Wrestler vom Houston Office an andere Promoter schickte. Das bezog sich im Prinzip auf weite Teile des Südwestens. Keiner kam so wirklich am “Sigel-Empire” vorbei. Eine Zeit lang sollte das auch gut gehen, bis es in den 50er Jahren zu regelrechten Kriegen kam. Sarpolis hielt 33% und war in ganz Texas als Matchmaker aktiv. Sein zweiter Sitz befand sich in Dallas, wo er mit dem lokalen Promoter Edward McLemore sehr gut korrespondierte.

Im November 1933 schlossen sich in New York die größten Promoter zum sog. “Jack Curley Trust” zusammen. Für ein paar Jahre wurden die besten Wrestler gemeinsam gebookt, aber nach Curley’s Tod 1937 war diese scheinbare Zusammenarbeit schnell wieder Geschichte. Paul Bowser und Tom Packs waren von da an, für knapp 10 Jahre, die mächtigsten Promoter. In dieser Zeit hielt Sigel Kontakt zum Curley Trust, wodurch viele bekannte Wrestler auch in den Südwesten kamen. Genannt seien: Danno O’Mahoney oder Jim Londos. Sigel’s erstes großes Zugpferd in Texas war ein bärtiger Hüne aus Kentucky, Edward Civil. Doch unter seinem richtigen Namen erlangte er jedoch nicht die Popularität, die ihn weit über Texas bekannt machte, es war “Leo Daniel Boone Savage”. Hinter dem Booking von Savage stand, wie so oft in dieser Zeit, Karl Sarpolis. Er sorgte auch dafür, dass Sigel schon den nächsten erfolgreichen Wrestler bei sich hatte, Ellis Bashara. Bowser schickte im Frühjahr 1936 seinen Champion Danno O’Mahoney nach Texas. Das Sigel-Sarpolis Duo plante einen Double-Cross, um Mahoney’s Titel auf Savage zu überführen, der sich mittlerweile zum Nr. 1 Herausforderer entwickelt hat. Aber die drei Versuche scheiterten, was letztlich der Startschuss für den renommierten “Texas Heavyweight Title” war. Im “Double-Cross Jahr” 1936 setzte Sigel kurzerhand Savage als lokalen World Champion ein. So dachten auch andere Promoter und es begann das größte Titelwirrwirr seit Bestehen des World Heavyweight Title 1905. Dabei sollte sich der Texas Heavyweight Title bald als sehr stark erweisen. Die Liste der Titelträger spricht Bände: Savage, Everett Marshall, Bobby Managoff, Lou Thesz, Ernie Dusek, Buddy Rogers, Sonny Myers, Miguel “Black” Guzman, Yukon Eric, Danny McShain, “Wild” Red Berry, Antonino Rocca, Verne Gagne, Johnny Valentine, Pepper Gomez, Mr. Moto, Waldo Von Erich, Joe Blanchard, Bill Watts und Fritz Von Erich. Das ist aber nur ein Bruchteil, da der Titel heute noch existiert. Mit dieser Liste lässt sich Sigel’s Einfluss wohl am besten belegen.

Sigel bookte für seine populäre Freitagnacht Show entweder das Houston City Auditorium oder das Sam Houston Coliseum. Kontinuierlich, das ganze Jahr durch, gab es Wrestling unter Sigel. Keine Pause - nein immer größere Sensationen wurden dem Publikum präsentiert. Möglich war dies vor allem, weil Sigel ein ganzes Heer an Mitarbeitern hatte. Mit der Kontaktaufnahme zu Packs und zur Bowser-Quinn Gruppe, gelangte Sigel zur Spitze der mächtigsten Promoter. Mit Wrestlern wie Thesz, Longson, Managoff und Yvon Robert wurde Houston zu einer echten Hochburg, die sich vor Chicago oder St. Louis nicht verstecken musste. Nach 1940 ging es sprunghaft weiter, was sich besonders in der großen Anzahl an lokalen Promotern widerspiegelte. 1947 erschien ein neuer Mann in Sigel’s Office, Paul Boesch. Er entwickelte sich, vor allem nach dem Bruch mit Sarpolis 1953, zum engsten Mitarbeiter des Promoterriesen. Sigel setzte ihn zunächst als Radioansager ein, bis 1949 die TV Ära in Texas begann. Chicago-Promoter Fred Kohler hielt durch seine Fernsehshows das Monopol im gesamten nordamerikanischen Wrestling. An Kohler kam selbst Sigel mit seiner riesigen Gruppe nicht vorbei. Morris nahm Kontakt zu seinem Neffen Sidney Balkin auf. Balkin, einer der zahlreichen Mitarbeiter im Houston Office, initiierte eine Fernsehausstrahlung aus dem Houston Milan Building. 1949 schließlich debütierten Sigel’s Shows auf KLEE-TV. Das TV-Format wechselte später zu Kanal 13 KTRK und Kanal 39 KHTV. Boesch fungierte als Ringsprecher. Ein weiterer wichtiger Schritt war dann auch die Aufnahme in die National Wrestling Alliance (NWA). In St. Louis wurde vom 25. bis 27. November 1949 die zweite NWA Konferenz abgehalten. Hier votierte man für Lou Thesz als neuen World Heavyweight Champion und entschied über die Aufnahme neuer Mitglieder. Morris Sigel war mit Stand des 01. Dezember 1949 ein offizielles NWA Mitglied.

Am 05. Mai 1950 startete im Sam Houston Coliseum die “Parade of Champions”. 10.000 Zuschauer sahen die Show mit Wladek Kowalski und Lou Thesz. Das war bisher so die größte Zuschauerkulisse in Texas. Geschichte wurde geschrieben, weil Kowalski unter Sigel im Sommer 1950 erstmals als “Killer Kowalski” auftrat. Das große System, auch “Sigel-Empire” genannt, verlangte von seinem Erbauer sehr viel Kraft. 1952 erlitt Morris einen Herzinfarkt und musste kürzer treten. Allerdings bedeutete dies noch längst keinen Rückzug. Sigel übergab wichtige Teile vom Gulf Athletic Club an Schwager Frank Burke. Die Saison 1953-54 brachte dann ein Promotionkrieg mit Edward McLemore in Dallas mit sich. Bisher, mehr oder weniger stark, über Sarpolis mit dem Houston Office verbunden. Es gab viele lokale Promoter, die sich mittlerweile durch Sigel’s Macht bedrängt fühlten. Entweder man machte es so wie der Gulf Athletic Club es vorgab, oder man bekam eben keine Unterstützung. McLemore kündigte kurzerhand alle Verbindungen und entwickelte sich zur “Anti NWA Fraktion”. Sigel schickte seinen Promoter Norman Clark als Ersatz nach Dallas, um dort weiterhin vertreten zu sein. Im Januar 1953 konnte dieser mit etlichen NWA Wrestlern trumpfen, wogegen McLemore zunächst nichts ausrichten konnte. Er war kein NWA Mitglied. Sarpolis blieb seinem einstigen Boss treu bis zum 25. April 1953. An jenem Tag wechselte Sigel’s wichtigster Matchmaker zu McLemore. Sarpolis trat auch aus der Texas Wrestling Agency aus, was für Sigel ein herber Schlag war. Jetzt kam Paul Boesch ins Spiel, dessen Einfluss im Houston Office immer stärker wurde. Nach Frank Burke ist er zum bedeutendsten Mitarbeiter geworden. Entwickelte sich vom Radioansager und Ringsprecher zum ausgesprochen fähigen Promoter. Die Auseinandersetzung mit McLemore dauerte zunächst bis 1954. 1966 begann die zweite Runde. Trotz des Verlustes von Sarpolis, konnte McLemore dem Sigel-Empire nichts entgegensetzen. Als Sarpolis 1955 nach Amarillo wechselte, gab es drei große Reviere in Texas (Houston, Dallas, Amarillo). Im April 1955 veranlasste Morris die Neuorganisation der Agency mit Frank Burke sowie einem neuen dritten Teilhaber namens Ronnie Burke.

Mit Paul Boesch, Frank und Ronnie Burke war die Zukunft des Gulf Athletic Club gesichert. Sigel’s Hauptgesellschaft war das Zentrum im Südwesten schlechthin. Auch im Hinblick auf nationale Interessen. Im Sommer 1966 erkrankte Morris, wodurch Boesch vermehrt das Zepter übernahm. Am Ende seines Lebens war Sigel Teilhaber von 170 verschiedenen Gruppen. Houston explodierte fast vor Wrestlern. Am 26. Dezember 1966 starb Morris Sigel im Alter von 68 Jahren. Seine Frau Irene Sigel verkaufte die Rechte an Paul Boesch, der den Gulf Athletic Club im Januar 1967 komplett übernahm. Für die nächsten 20 Jahre gehörte Boesch zu den vier erfolgreichen Promotern in Texas, dessen gemeinsame Ära erst jetzt beginnen konnte. Der Tod von Sigel beendete das Monopol eines einzigen Promoters im Südwesten. Boesch, Fritz Von Erich, Dory Funk Sr. und Joe Blanchard leiteten eine neue Epoche im texanischen Pro-Wrestling ein.
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#13
Zitat:Original von Ronald Großpietsch
Als Julius Sigel 1930 von Houston nach Shreveport/Louisiana wechselte, begann die Ära seines jüngeren Bruders Morris Sigel.

Schöner Artikel. Hast du zufällig mal etwas darüber gefunden, was Julius Sigel eigentlich dort in Louisiana gemacht hat? Hat er noch irgendetwas im Wrestling-Business erreicht oder ist er aus dem Geschäft komplett ausgestiegen? Ein Komplett-Ausstieg würde mich sehr wundern bei den Erfolgen seines Bruders.
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#14
Julius eröffnete ein Booking Office in Shreveport und veranstaltete dann auch in New Orleans. Wann er aufgehört hat, kann ich nicht sagen. Ich schätze mal nach dem Double-Cross an Mahoney 1936. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch Shows in New Orleans veranstaltet. Das Gulf Coast Revier um Alabama kam aber erst richtig in Schwung, als sich hier der riesige Welch-Fields Clan ausbreitete. Roy Welch übergab das Gulf Coast Revier an seinen Sohn Buddy Fuller, bevor schließlich Roy's Neffe Lee Fields, ab Dezember 1959, das Geschäft übernahm. Fields kam auch nach Louisiana. Der Bundesstaat hatte, ähnlich wie Montana oder North Dakota, keine große Bedeutung im Wrestling.
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#15
;) Und wann beglückst du uns mit einer Kane Biografie? Breites Grinsen
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#16
Teil 7 - Fred Kohler

Fast jeden Tag, wenn das Postauto in die Grace Street in Chicago kam, wurden mehrere Postsäcke mit Fanbriefen und Bestellungen vor dem Office eines großen Promoters abgeladen. Ein hektisches Treiben herrschte, da sich hier auch die Redaktion des beliebten Magazins “Wrestling As You Like It” befand. Ab 1948 hatte dieser Promoter drei Fernsehshows. Er holte alle bekannten Wrestler seiner Zeit nach Chicago und ließ sie im TV auftreten. Mit der Ausstrahlung im DuMont-Network ab September 1949 war Fred Kohler für mehrere Jahre der mächtigste Promoter des gesamten Pro-Wrestlings.

Um die Jahrhundertwende 19./20.Jh. kamen zwei deutsche Einwanderer nach Chicago: Frederick und Katrin Koch. Sie zogen in die Old Town zwischen Lincoln Park und Loop, dem pulsierenden Zentrum der drittgrößten amerikanischen Metropole. Ab ca. 1840 siedelten sich immer mehr Deutsche rund um die North Ave in Old Town an. Bald sprach man hier nur noch vom “German Broadway”. Frederick, genannt “Fritz”, kaufte die Rechte einer Veranstaltungshalle in der North Larrabee Street, einer Seitenstraße der North Ave. Man bezeichnete sie auch als “Larrabee Hall“ oder “Koch’s Hall”. Fritz öffnete seine Halle für Wrestlingshows und nach 1910 kämpfte hier ein ehemaliger World Middleweight Champion namens Lou Talaber, der Vater von Frank Talaber. Lou Talaber war ein wichtiger Talentkoordinator in Chicago, vor allem als Fred Kohler gerade ins Promotergeschäft einstieg. Er besuchte oft viele Amateure in den Trainingshallen. Gab gerne sein Wissen an andere weiter. 1906 kam der gebürtige Österreicher in die USA, war seit 1921 Wrestlingtrainer im Hamlin Park Fieldhouse in Chicago und gewann 1924 den World Middleweight Title von Joe Parelli. Bis ins hohe Alter gab Talaber Trainingsstunden im Fieldhouse, an denen auch sein Sohn Frank oder ein Nick Lutze teilnahmen.

Am 06. Januar 1903 bekam Fritz erneut Nachwuchs durch die Geburt von Mildred und Fred Koch. Als Fred ins Erwachsenenalter kam, war Chicago das Zentrum der Kriminalität in den USA. Zwischen Prohibition und Glücksspiel - Mafia Bosse wie Al Capone oder Bugs Moran kontrollierten die Stadt stärker, als irgendein Politiker. Fred war ein ausgezeichneter Sportler in seiner Jugend. Zunächst spielte er Football, trat dann dem Larrabee YMCA bei, wo er schließlich ein Training als Amateurwrestler begann. 1928 erreichte Fred den zweiten Platz beim AAU Wrestling Tournament in Chicago. Mit 26 Jahren wrestlete er als “Freddie King”. Fred wurde Professional, auch wenn seine aktive Zeit im Ring nicht so erfolgreich verlief, wie die Karriere des Promoters. Ein befreundeter Promoter aus dem benachbarten Dubuque, Heinie Engel, verpasste ihm schließlich den Namen, der ihn bekannt machen sollte, “Fred Kohler”. Engel war selbst mal Wrestler in Chicago, als Lou Talaber gerade die Spitze der World Middleweight Wrestler anführte.

Das Wrestling in Chicago kontrollierten seit den frühen 20er Jahren zwei Promoter: Joe Coffey und Ed White. Coffey war schon länger im Business aktiv. Kam so um 1910 zum Wrestling, als Co-Promoter vom “Empire Athletic Club” neben Izzy Herk und Silvie Ferretti. Das Trio veranstaltete mit Jack Curley den Jahrhundertkampf George Hackenschmidt vs. Frank Gotch am 04. September 1911 im Comiskey Park. Curley zog sich danach als stärkster Promoter aus Chicago zurück, womit Coffey letztlich die Geschäfte übernahm. Er schloss sich mit White zusammen, der auch zeitweise den World Champion Jim Londos managte. Für eine ganze Weile noch hielten sie das Monopol in der alten Wrestling-Hochburg. White korrespondierte mit dem am 29. November 1933 in New York formierten “Jack Curley Trust”. Jack Curley, Toots Mondt, Ray Fabiani, Tom Packs, Paul Bowser und Ed White teilten sich das Booking für Champions wie Jim Londos, die durch die USA tourten. Damit verbunden war auch die gleichmäßige Aufteilung der Einnahmen. Gerade während der 30er Jahre etablierten sich dabei immer mehr Promoter, die dem New Yorker Syndikat folgten. So etwa Jim Crockett Sr. in Charlotte, North Carolina. Aber nach Curley’s Tod 1937 war diese Zusammenarbeit Geschichte, was zu erneuten Konfusionen führen sollte. Das Hauptlager spaltete sich ab 1938 in NWA (Tom Packs) und AWA (Paul Bowser).

1925 schließlich begann Fred Kohler als kleiner Promoter in der Larrabee Hall. Fritz hatte die Rechte zu diesem Zeitpunkt schon verkauft. Er starb 1929 im Alter von 55 Jahren. Fred organisierte seine ersten Shows mit einem überraschend respektabeln Erfolg. Binnen kürzester Zeit kamen gleich mehrere 100 Zuschauer. Im Februar 1955 schrieb Wrestling As You Like It: “It all had begun in the backroom of a lounge on Larrabee Street in Chicago, where Kohler had promoted and wrestled and sold tickets and even refereed. From that one-man organization with trifling funds, he now has the smoothest and best-organized sporting promotions in the nation.” Ein weiterer bekannter Veranstalter im Chicago der 20er Jahre war “Doc” John Krone. An ihm zog Kohler aber bald vorbei, weil Fred, von der Larrabee Hall aus, auf sämtliche etablierte Hallen der Metropole ausweitete. Davon gab’s viele, weshalb Kohler dann auch immer mächtiger wurde. Fred bildete eine Gruppe aus Non-Heavyweight Wrestlern. Er veranstaltete dann zunächst in kleineren Clubs, bis die Manager vom renommierten “Marigold Gardens” 1934 auf ihn aufmerksam wurden. Man bot ihm einen Managerposten an, den Fred wohl kaum ausschlagen konnte. Aber sein großer Durchbruch war das noch nicht, da er hier nur kurz veranstaltete. Doch gerade seine Shows im Marigold Gardens ab 1941 waren es, die das Imperium der “Kohler Enterprises” begründen sollten. Kohler bookte zur selben Zeit, während der Saison 1934-35, den “Rainbow Fronton“, den “Merry Gardens” und die “Prudential Hall”.

Das “Double-Cross Jahr” 1936 würfelte die gesamte amerikanische Wrestlingszene durcheinander. Kohler hatte sich mittlerweile etabliert und nutzte seine Chance, als das Monopol der Coffey-White Gruppe platzte. Curley hatte seit 1933 so ziemlich alle wichtigen Promoter um sich versammelt, außer einen und das war Jack Pfefer. Pfefer behauptete 1967: “In 1934 I was working with Curley to advance the schemes of the Trust”. Tatsächlich jedoch ist der Curley Trust aber hinter seinem Rücken formiert worden. Weil Pfefer ausgeschlossen wurde, wollte er Rache nehmen, was letztlich dann zu dem bekannten Double-Cross an World Champion Danno O’Mahoney führte. “I quit the Trust with determination to give it a deadly punch”, schrieb Pfefer. Mahoney war der World Champion vom Curley Trust. Hielt deshalb auch gleich mehrere Versionen (NYSAC-New York, Pennsylvania und AWA Version). Pfefer heuerte schließlich Dick Shikat an, Mahoney’s Titel zur konkurrierenden Al Haft Gruppe zu bringen. Anfang der 30er Jahre konstituierten sich Al Haft (Ohio) und George Simpson (Missouri) zur “Mid-West Wrestling Association (MWA)”. Dem Haft Syndikat schlossen sich zunächst Billy Sandow (Kansas) und Adam Weissmuller (Detroit) an. Kohler kam nach dem Double Cross an Mahoney dazu. Er konkurrierte bis dahin noch mit dem Coffey-White Monopol in Chicago. Am 02. März 1936 besiegte Shikat im Madison Square Garden nach 18 Minuten und 57 Sekunden den Champion Mahoney. Nach eigenen Angaben hat Pfefer 50.000 Dollar an Shikat bezahlt, damit dieser den World Title vom Curley Trust entfernte. Pfefer gelang es schließlich, dass die Haft-Sandow Gruppe nun Shikat unter Vertrag hatte. Dick wechselte die Seiten und versetzte dem Curley Trust so einen mächtigen Dolchstoß. Auch Coffey und White hingen an Curley’s Gruppe. Ihr Business in Chicago brach ein, was für Kohler die ultimative Chance war, das Zepter schrittweise an sich zu reißen.

Shikat konnte von dem Wechsel wenig profitieren, da die Haft-Sandow Gruppe noch zwei andere Zugpferde beschäftigte: Everett Marshall und Ali Baba. Marshall war für Haft, Sandow, Weissmuller und Kohler die Sensation schlechthin. Daher verwunderte dann das Resultat vom 24. April 1936 in Detroit niemanden: Shikat verlor seinen Titel an Ali Baba. “The mat moguls knew what would happen”, schrieb der große Historiker Gerhard Schäfer. Baba hingegen nutzte man als Interims Champion, da Marshall schon als World Champion aufgebaut wurde. Nach der Niederlage von Shikat spitzte sich die Situation zu. Überall schossen World Champions wie Pilze aus dem Boden. Haft setzte einen Titelkampf gegen Marshall im Juni 1936 in Columbus, Ohio fest. Baba verlor das Match, wodurch Marshall zumindest die Anerkennung in Ohio erhielt. Kohler schaltete sich zum richtigen Zeitpunkt ein. Marshall’s Position in der Haft-Sandow Gruppe wuchs enorm und am 20. November 1936 kam es im Chicagoer Coliseum zum wegweisenden Kampf für Kohler’s Karriere. Vor rund 9700 Zuschauern bezwang Marshall seinen Kontrahenten Baba erneut. Fred setzte durch, dass Marshall nun auch in Illinois als World Champion Anerkennung fand. Er brachte die Illinois State Athletic Commission auf seine Seite. Im Dezember 1936 realisierten auch Coffey und White, dass ihr einstiger kleiner Konkurrent sie schon längst überholt hatte. Die beiden Chicagoer Fraktionen schlossen sich zusammen. Für die nächsten fünf Jahre bookte das Trio gemeinsam im Coliseum, Rainbow Fronton, Park Casino und in der White City Arena. Ferner bookte Fred seine Shows im International Amphitheater und im Arcadia Gardens. Fred’s Kader umfasste bedeutende Wrestler, die in Chicago als Heimfavoriten galten. Einige kamen aus der Trainingsschule von Lou Talaber wie Al Williams oder Walter Palmer. Charley Fisher, Nanjo Singh, Hans Schnabel und Ivan Rasputin brachten ebenfalls kontinuierliche Einnahmen. Palmer war seit 1940 Fred’s ultimativer Favorit in Chicago. 1937 unterstützte er den Karrierestart von Bronko Nagurski, dem Favoriten von Minneapolis-Promoter Tony Stecher.

Hatte Fred 1934 im Marigold Gardens noch wenig Erfolg, so änderte sich dies im Februar 1941. Er bookte die alte Halle mit Ruffy Silverstein und prompt war sie ausverkauft. Der Marigold Gardens ist von da an bis 1963 eine wichtige Austragungshalle für Kohler gewesen. Diese Halle wurde von zwei deutschen Einwanderern 1895 als “Bismarck Gardens” eröffnet und 1915 in “Marigold Gardens” umbenannt. Es etablierte sich auch der Name “Marigold Arena”. Nach dem Tod von Coffey folgte schließlich im September 1942 der Rücktritt von White. Somit war Kohler alleiniger “Herr” aller Chicagoer Arenen. Fred baute sein Geschäft immer mehr aus, vor allem mit Hilfe des lokalen Sportjournalisten Richard “Dick” Axman, den er um 1938 kennenlernte. Beide gründeten 1946 das Magazin “Wrestling As You Like It”. Axman war dann der Chefredakteur des Magazins, dass sich unter dem Dach der “Kohler Enterprises” formierte. Kohler musste sich neu organisieren, weil immer mehr Leute hinzukamen. Im selben Zeitraum wie sein Magazin entstand, ergriff Fred die Möglichkeit des neuen und noch unbekannten Mediums Fernsehen. Er ermöglichte es als erster Promoter überhaupt, dass das Wrestling durch TV-Ausstrahlungen überregional populär wurde. Fred entschied sich für die beliebte Rainbow Arena. Am 10. Juli 1946 schließlich debütierten seine Shows auf dem Chicagoer Sender WBKB. Walter Palmer besiegte im Endkampf Flash Gordon. Anfangs musste man seine Sendungen wegen technischer Probleme verschieben. Doch dann entwickelte sich die Rainbow-Serie bei WBKB zum wahren Erfolg, der sogar die Programmdirektoren beim ABC Konkurrenten DuMont beeindruckte. Kurze Zeit später erreichte Kohler eine weitere Sensation, als die Betreiber von WBKB auch seine Shows aus der Midway Arena ausstrahlen wollten. Der Clou gelang: Am Montag sendete man die Midway-Shows und am Mittwoch die Rainbow-Shows. Im Oktober 1948 wechselten die Rainbow-Shows zu WENR.

Kohler’s Sendungen schlugen ein wie eine Bombe. In allen Regionen versuchte man sein Format zu kopieren. 1947 begann Hugh Nichols in Hollywood und Morris Sigel ließ seine Shows dann ab 1949 bei KLEE-TV in Houston ausstrahlen. Anfang der 50er Jahre hatte Fred jedoch nur einen nennenswerten “Konkurrenten” im Fernsehgeschäft, Johnny Doyle aus Los Angeles. Weil Doyle aber, wie er, auch der NWA angehörte, gab es keinen Konkurrenzkampf. Viele NWA Mitglieder respektierten das Territorium ihres Nachbarn. Ein Umstand, den spätere Promoter wie Vincent Kennedy McMahon zerstörten. Egal wie erfolgreich nun ein Sam Muchnick, Toots Mondt, Morris Sigel, Paul Bowser oder Cal Eaton war, Fred überbot sie alle um Längen, als im April 1948 seine dritte Fernsehsendung auf WGN debütierte. Von einem Vincent James McMahon war nur zu träumen, der in Washington D.C. gerade mal ein paar Konzerte veranstaltete. McMahon startete erst Ende 1952 als Wrestlingpromoter, wo Kohler schon mehrere Jahre alleine an der Spitze stand. Fred sendete das dritte TV-Format aus dem Madison Athletic Club. Zwei damals bekannte Ringsprecher kommentierten seine Sendungen: Wayne Griffin und Jack Brickhouse. Beide brachten das Kohler-Imperium enorm voran. 1949 war dann das Jahr, in dem Fred alle Konkurrenten überholte und zum mächtigsten Promoter des gesamten Pro-Wrestlings aufstieg. Es begann am 14. Januar 1949 mit der Show im International Amphitheater. Mit knapp 9500 Zuschauern verzeichnete Chicago erstmals seit Jahren wieder einen Rekord. Knapp zwei Wochen später holte Fred jenen Wrestler ins Amphitheater, der alle Rekorde im Wrestling brechen sollte, Lou Thesz. Thesz trat als National Wrestling Association World Champion auf. Kohler pushte ihn durch TV Auftritte, was man in St. Louis natürlich sehr schnell registrierte. Nach dem Untergang von Tom Packs formierte sich um den Iowa-Promoter Pinkie George am 18. Juli 1948 in Waterloo, Iowa die “National Wrestling Alliance (NWA)”. Im September 1949 trat Kohler dieser Gruppe bei. Zwei Monate später, Ende November 1949, endete der St. Louis Konflikt mit dem Zusammenschluss beider NWA Fraktionen, Association und Alliance. Hierzu gibt es mehr in der Biografie von Frank Tunney (Teil 3).

Einige Programmdirektoren beim mächtigen ABC Network wollten nun unbedingt mit Wrestlingshows mehr Umsatz machen. Es begann ein Konkurrenzkampf mit dem DuMont-Network, der zeitlich da einsetzte, als sich Fred mit einem Konkurrenten namens Leonard Schwartz auseinandersetzen musste. Ab Februar 1949 sendete ABC Kohler’s Sendungen beim New Yorker Sender WJZ-TV. Fred war mit den Rainbow-Shows auf WENR noch ans ABC Network gebunden. WENR ist der Sendepartner von ABC gewesen. Aber erhebliche Differenzen zwischen Kohler und Schwartz, dem Besitzer der Rainbow Arena, führten am 20. Juli 1949 zum Bruch. Kohler strich alle Rainbow-Shows, um zur Marigold Arena zu wechseln. Damit endete die seit 1934 bestehende Zusammenarbeit mit Schwartz. Schwartz formierte eine Opposition, was Kohler jedoch kaum beeindruckte. Am 17. September 1949 schließlich hatte das DuMont-Network gewonnen, weil Fred sich für den ABC Konkurrenten entschied. An diesem Tag debütierten seine Marigold Shows auf dem Chicagoer Sender WABD (DuMont-Sendepartner). Eine Woche später in Boston und dann von St. Louis bis Buffalo. Insgesamt erreichten Fred’s Sendungen rund 65 Städte. Sogar in Kanada konnte man “seine” Wrestler sehen. Aus allen Regionen kamen Anfragen. Fred unterschrieb so viele Verträge, wie er es sich wohl selbst kaum vorgestellt hätte. Es musste jemand her, der auch außerhalb von Chicago als “Road Agent” arbeitete. Diesen Posten übergab Fred an seinen äußerst fähigen Mitarbeiter Jim Barnett, der bereits im Office von Wrestling As You Like It tätig war. Barnett war Kohler’s rechte Hand, wenn es darum ging, nach neuen Talenten zu suchen. Kohler pushte seit 1949 einen weiteren Weltstar, Gorgeous George. George wird heute mit Primo Carnera als erster TV-Star des Wrestlings angesehen. Ab 1950 erschienen dann alle bekannten Wrestler in Chicago. Hier befand sich das Zentrum des Wrestlings.

Nach Chicago kamen u.a.: Thesz, George, Carnera, Hans Schmidt, Hans Schnabel, Verne Gagne, Johnny Valentine, Antonino Rocca, Rudy Kay, Benito Gardini, Don Eagle, Buddy Rogers, Dick “The Bruiser” Afflis, Wilbur Snyder, Angelo Poffo, Crusher Lisowski, Ed “The Sheik” Farhat, Don Leo Jonathan, Pat O’Connor, Juan Hernandez, Bill Miller, Bill Longson, Karl Von Hess, Dick Hutton, Bearcat Wright, Haystacks Calhoun, Eddie und Jerry Graham, Gene Kiniski, Mad Dog Vachon, Edouard Carpentier, Yukon Eric, Bobo Brazil, Killer Kowalski, Miguel Perez und Sonny Myers. Fred erweiterte seinen Einfluss durch Barnett bis Indianapolis. Er schloss sich mit Toots Mondt und Charley Johnston zusammen, um Rocca zu managen. Das Trio bookte außerdem noch Pat O’Connor. Ende 1952 verpflichtete Barnett einen Star der Central States, Sonny Myers. Kohler pushte ihn in Chicago ab der 53er Saison und prompt wurde Myers landesweit bekannt. Ab der Saison 1955-56 erschien Dick “The Bruiser” Afflis, den Barnett ebenfalls ins Wrestling brachte. Die größten Zugpferde von Fred waren Verne Gagne, Wilbur Snyder und Johnny Valentine. Als Fred 1959 das Sponsoring von McMahon’s Bridgeport-Shows für Chicago übernahm, kam auch der Weltstar Bruno Sammartino hierher. Ab Januar 1950 bookte Mike London in Denver. Er hatte seinen Hauptsitz in Albuquerque, New Mexico. Um sich mehr Einfluss zu verschaffen, teamte er mit Kohler. Aus dieser Verbindung entstand die “Rocky Mountain Sports Enterprises”. Fred schickte Gagne und O’Connor nun auch in London’s Revier (Albuquerque, Cheyenne, Denver). London’s Geschäftspartner war bis 1955 El Paso-Promoter Frank “Sam” Menacker, der davon natürlich ebenfalls profitierte. Kohler verfügte noch über Rechte in New York, Newark, Buffalo, Omaha, Minneapolis und Milwaukee.

Bis 1960 hatte sich Kohler im Wesentlichen mit zwei Konkurrenten zu beschäftigen: Leonard Schwartz und Eddie Quinn. Schwartz’ Opposition in Chicago wäre für die meisten Promoter sicherlich gefährlich geworden. Selbst Kohler musste einiges an Kraft aufbringen, um diesen Konkurrenten auszuschalten. Schwartz teamte mit einem erfahrenen Promoter aus Philadelphia, Ray Fabiani. Im April 1950 gründeten sie die “Clark Sports, Inc.” und nutzten ihr Promotionformat, “American Wrestling Alliance (AWA)” , für den Konkurrenzkampf gegen Kohler. Eine weitere der zahlreichen AWA Versionen. Ab Mai 1950 starteten sie ihre Austragungen in Schwartz’ Rainbow Arena. Das ABC-Network sendete das Format und Schwartz wurde dann 1951 sogar noch NWA Mitglied. Im September 1951 jedoch stieg Fabiani aus. In der Zwischenzeit hatten sie es geschafft, Fred zumindest etwas in Bedrängnis zu bringen. Kohler konterte aber, als er Thesz und Gagne verstärkt in Chicago bookte. Seine NWA Kontakte waren weitreichend. Es genügte schon, dass diese beiden Wrestler auftraten. Am 19. August 1955 musste Schwartz aufgeben. Er strich alle Rainbow-Shows und trat zurück. Während der Saison 1959-60 erschien Eddie Quinn in Chicago. Ihm gelang das, was viele für Unmöglich hielten. Er erbot Kohler kurzzeitig mit seinen Shows. Am 01. April 1960 konterte Fred im International Amphitheater mit Johnny Valentine. Er erreichte eine seiner höchsten Einnahmen seit Jahren. Am 07. Mai 1960 konnte ihn Quinn noch mal leicht im Stadium überbieten. Aber Fred nutzte wieder alle Möglichkeiten und veranstaltete schließlich im Comiskey Park. 30275 Zuschauer kamen zur Ersten von drei großen Comiskey Park-Shows am 29. Juli 1960. Buddy Rogers besiegte Bearcat Wright und Yukon Eric verlor gegen Pat O’Connor. Das war zuviel für Quinn, der im August schlussendlich aufgab.

Im März 1955 dann kappte das DuMont-Network Fred’s Marigold-Shows und am 11. Mai 1957 strich auch WGN seinen Sendeplatz. Damit verlor Fred zwar an Einfluss, jedoch gehörte er immer noch zur Spitze der amerikanischen Promoter. Sein Nachfolger bei DuMont wurde Vincent James McMahon, Promoter in Washington D.C.. McMahon sendete seit Januar 1956 auf WTTG (DuMont-Sendepartner) und ab Juni 1956 auch in New York auf WABD. Nur kurze Zeit später verlor DuMont den 10-jährigen Konkurrenzkampf gegen das ABC:Network. Man musste das alte Netzwerk abschalten. WTTG und WABD schlossen sich danach zur “DuMont Broadcasting Corporation” zusammen. Für Vince sollte dies die Fortsetzung seiner Shows bedeuten. Im Februar 1959 startete McMahon von der Sendestation in Bridgeport, Connecticut ein weiteres TV-Format “Heavyweight Wrestling from Bridgeport”. Er konnte Fred als Sponsor gewinnen. Am 19. September 1959 debütierte Heavyweight Wrestling beim NBC-Sender WNBQ in Chicago. Auf Fernsehebene war es der letzte große Durchbruch für Kohler. Doch wer ihn abgeschrieben hatte, wurde am 30. Juni 1961 bitter enttäuscht. Fred zeigte allen, wie stark er noch immer war. Er organisierte die größte Show, die alle bisherigen Rekorde in Chicago sprengte. Über 38000 Zuschauer sahen im Comiskey Park das NWA World Title Match zwischen Buddy Rogers und Pat O’Connor. Am Ende pinnte Rogers den NWA World Champion O’Connor. Fred übergab das Titelgold höchstpersönlich im Ring. Mit 125.000 Dollar brach Kohler auch den alten Einahmrekord von Promoter Johnny Doyle. Dieser konnte erstmals 1952 die 100.000er Marke überspringen.

Highlights aus Fred’s Karriere waren ferner: das Debüt von Verne Gagne als US TV-Champion in Chicago am 12. September 1953; der Sieg von Wilbur Snyder über Gagne am 07. April 1956, wo dieser neuer US TV-Champion wurde; das NWA World Title Match vom 14. Juni 1957, als Thesz durch DQ gegen Carpentier verlor. Zwar brachte dieser Kampf die gesamte Szene durcheinander, aber für Kohler steigerte es eben doch den Bekanntheitsgrad. Schließlich dann seine drei großen Comiskey Park-Shows ab Ende Juli 1960. Der 1953 eingeführte US TV-Title ist nur durch Kohler kontrolliert worden. Es war kein NWA Titel. Im Januar 1963 erreichte die bekannte Fehde Thesz-Rogers ihren ersten Höhepunkt. Obwohl Thesz den NWA World Title in Toronto von Rogers gewann, unterstützte Fred das Lager rund um McMahon und Toots Mondt in New York. Für die NWA war nur Thesz der wahre Champion. Rogers hingegen war der rechtmäßige Titelträger für McMahon’s Fraktion. Kohler kündigte seine NWA Mitgliedschaft und formierte die nur kurz existierende “International Wrestling Alliance (IWA-Chicago)”. Im April 1963 hatten sich auch Mondt und McMahon abgespalten, was zur Gründung der WWWF führte. Am 14. Juni 1963 zog sich Fred als Sponsor von Heavyweight Wrestling zurück. Er beendete damit auch seine turbulente Fernsehkarriere. William Afflis, mittlerweile WWA Promoter in Indianapolis, zeigte Interesse an der Kohler Enterprises. Afflis kaufte 1964 zunächst Anteile und übernahm schließlich die gesamten Rechte in Chicago, als Fred im November 1965 zurücktrat. 1968 verlagerte Fred Kohler seinen Wohnsitz in die Nähe von Phoenix, Arizona. Im heißen “Summer of Love” starb er am 24. August 1969 im Alter von 66 Jahren.

Bis heute wird Fred Kohler mehr oder weniger stark hinter Sam Muchnick und Vincent James McMahon eingeordnet. Doch in Wirklichkeit stand er mit ihnen auf gleicher Augenhöhe. Erst Kohler hat den TV Boom im Wrestling ermöglicht. Nur dadurch konnten Champions wie Thesz oder Gagne aufsteigen. Fred Kohler war einer der größten Promoter, die das Wrestling je gesehen hat.

“No man has contributed as much to a single sports enterprise as Fred Kohler has to wrestling.”
Jack Brickhouse
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#17
1960 war eines der erfolgreichsten Jahre von Promoter Fred Kohler. Hier die Liste mit seinen größten Shows. Darunter auch die drei Veranstaltungen aus dem Comiskey Park in Chicago.

1960
08. Januar
International Amphitheater
5881 Zuschauer

29. Januar
International Amphitheater
8293 Zuschauer

19. Februar
International Amphitheater
8025 Zuschauer

01. April
International Amphitheater
10160 Zuschauer

29. April
International Amphitheater
7130 Zuschauer

27. Mai
International Amphitheater
8217 Zuschauer

24. Juni
International Amphitheater
10633 Zuschauer

29. Juli
Comiskey Park
30275 Zuschauer

19. August
Comiskey Park
17206 Zuschauer

16. September
Comiskey Park
26731 Zuschauer

07. Oktober
International Amphitheater
11020 Zuschauer

11. November
International Amphitheater
10965 Zuschauer
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#18
Teil 8 - Jim Crockett Senior

[Bild: http://www.wrestlingmemories.com/sitebui...35x211.jpg]
Jim (links) und Sam Muchnick

Einer der größten Promoter im Amerikanischen Wrestling war der am 02. Juni 1908 in Bristol (Virginia) geborene James Allen Crockett. James, genannt Jim, war das fünfte Kind von Charles Samuel und Josie Barry Crockett. Sein Name ist untrennbar verbunden mit "Jim Crockett Promotions (JCP)". Jene Liga, die zum Schluss mit Donald Owen alle NWA Mitglieder überlebte. Es waren Jims Kontakte zu anderen Promotern wie Sam Muchnick oder Bill Lewis, die seinem Sohn Jim Jr. alle weiteren Tore eröffneten. Fast 40 Jahre lang bestimmte er das Wrestling in North Carolina und Virginia. Eine Region, die für ihre Shows nationale Anerkennung erlangte.

Die Stadt Bristol erstreckt sich auf zwei Bundesstaaten (Virginia und Tennessee). Jim lebte im Virginia-Teil und spielte Football bei der örtlichen Highschool. Hier kam er auch zum Boxen. Noch vor seiner Wrestlingzeit organisierte er Highschool-Boxkämpfe. Nach verschiedenen Jobs für ein Baseball-Team in Norman Park (Georgia), organisierte er mit 23 Jahren erste Wrestling-Matches. Angefangen hatte alles 1931 im Tennessee-Teil von Bristol: Jim lieh sich 50 Dollar und mietete einen Saal, wo an diesem Abend ein einziges Match veranstaltet wurde. Damit begann die Geschichte der JCP. Die bisherige Nebentätigkeit, als Organisator verschiedener Sportveranstaltungen, erwies sich jetzt als lukrativ. Mit Wrestling besserte Jim sein Gehalt auf und expandierte nach Südwest-Virginia und Ost-Tennessee. Allerdings war der Anfang sehr schwierig, da kaum über 100 Dollar pro Show in die Kasse wanderten. Und 100 Dollar waren schon viel Geld gewesen. Was sollte man in wirtschaftlich schwierigen Zeit auch anderes erwarten?

Jims erste Match-Cards beinhalteten 2 bis 3 Kämpfe pro Show. 1933 umfasste das Revier größere Gebiete. Bevor Jim nach Charlotte (North Carolina) übersiedelte, promotete er Wrestling in Greensboro (North Carolina). Um 1933 entstanden auch erste Kontakte zu Richmond (Virginia)-Promoter Bill Lewis (James Arthur Whitfield). Diese Geschäftsbeziehung ist sehr wichtig gewesen für den Ausbau des eigenen Territoriums. Der 1898 geborene Bill Lewis war ein paar Jahre vor ihm zum Wrestling gekommen. Damals kämpfte er als Jahrmarktsringer und bekam das Synonym "Bill Lewis" vom ehemaligen World Champion Ed "Strangler" Lewis verpasst. In Omaha (Nebraska) trainierte Bill bei Wrestling-Pionier Martin "Farmer" Burns, womit sein Einstieg ins Profi-Geschäft begann. 1927 veranstaltete er Wrestling in Greensboro und anschließend in Richmond. Es war dann Richmond, wo er seinen Hauptsitz eröffnete. Die Lewis und Crockett Promotion arbeiteten ab 1934 bis Lewis' Tod 1961 eng zusammen.

In den frühen 30er Jahren erlebte Charlotte unter Promoter John Francis Horan ein Desaster. Sinkende Zuschauerzahlen spiegelten einen Negativtrend wieder. Jim war mit gerade mal 25 Jahren ein vollbeschäftigter Promoter, der nebenbei noch Konzerte veranstaltete, sowie ein Restaurant und Theater besaß. Mit Lewis' Unterstützung und 5000 Dollar in der Tasche kam er schließlich 1934 nach Charlotte. Horan gab sein Geschäft unlängst auf, auch wegen der neuen Konkurrenz. Jim war jetzt alleine hier. 1934 organisierte er eine erste Wrestling-Show in Charlottes "Armory". Diese Show setzte das Startsignal für die über 50 Jahre andauernde Familiengeschichte in Charlotte. 1935 gründete er die "Jim Crockett Promotions (JCP)". Das war die Organisation hinter "Mid-Atlantic Championship Wrestling (MACW)". Stetig expandierte man ins benachbarte Virginia und South Carolina. Später existierten zwar noch verschiedene Independent-Gruppen, am Machtpotenzial der Crocketts konnten diese jedoch nicht rütteln. Charlotte blieb bis zum Rechteverkauf an "Turner Broadcasting System" 1988 Hauptsitz der Crockett-Promotion.

Jim eröffnete ein Büro in der 1111 East Morehead Street, von wo aus er hunderte Shows jährlich im gesamten Südosten veranstaltete. Die weitere Expansion nach Südost wurde ihm ab 1935 durch Lewis' Partnerschaft und einem früheren Freund aus Bristol namens Pete Moore ermöglicht. Dieser interessierte sich auch für Jims Erfolge. Noch im selben Jahr investierten sie in Tampa, um dort Promoter Jim Downing zu verdrängen. Downing konnte der wachsenden Konkurrenz nicht standhalten, da Jim noch durch Promoter Rudy Miller unterstützt wurde. Crockett, Lewis und Miller konstituierten sich zur "Southeastern Corporation".

1936 hatte Jim Büros in 5 Städten. Drei Agenten machten Werbung für seine Shows und bekamen dafür 100 Dollar wöchentlich ausbezahlt. Durchaus kein kleiner Verdienst. New Yorks Wrestling Impresario Jack Curley war von so viel Einsatz beeindruckt. Curley war bis Mitte der 20er Jahre Amerikas Wrestling-Promoter Nr. 1. Inzwischen promotete Jim Wrestling-Shows zwischen Norfolk und Miami. Durch diese Dominanz im Südosten, stieg er zu einem der größten Promoter der 30er Jahre auf. Die 30er Jahre dominierten daneben noch: Jack Curley (New York bis 1937), Paul Bowser (Boston ab 1922), Morris Sigel (Houston, ab 1930 nach Rückzug seines Bruders Julius Sigel), Joe Malcewicz (San Francisco ab 1935), "Carnation" Lou Daro (Los Angeles ab 1935), Joe Coffey und Ed White (Chicago), Tom Packs (St. Louis), Ray Fabiani (Philadelphia), Tony Stecher (Minneapolis ab 1933), Max Clayton (Nebraska), Paul "Pinke" George (Iowa), Albert C. "Al" Haft (Ohio), Adam Weissmuller (Detroit bis 1937), Joseph "Toots" Mondt (u.a. New York), Billy Sandow und Maxwell Baumann (u.a. Kansas) sowie die starke New Yorker Fraktion nach Curley's Tod 1937, bestehend aus Rudy Dusek und der Johnston Familie (Jimmy und Charley Johnston sowie Neffe Walter Smallshaw).

Der ausgehandelte Talentvertrag mit Bill Lewis brachte für Jim weitere Vorteile. Sie einigten sich auf die gemeinsame Förderung ihrer Wrestler. Die Crocketts nutzten den Umstand aus, das Superstar Jim Londos zu zahlreichen regionalen Promotions geschickt wurde. Die New Yorker Promoter akzeptierten dabei eine gleichmäßige Aufteilung des Gewinns. So kam Londos auch nach Charlotte. Die Crockett-Lewis Fraktion steuerte um 1938 große Teile von Virginia, North Carolina und South Carolina. Ältere Berichte verweisen darauf, dass die Promotion als "Eastern States Championship Wrestling" seit ihrer Gründung eigene Shows veranstaltete. Die Existenz dieses Namens wird heute bestritten. In den frühen 70er Jahren hatte JCP einen "Eastern States Title". Vermutlich stammte der Name hiervon ab. Während der 50er/60er Jahre setzte Crockett den NWA Southern Heavyweight Title als wichtigsten Titel seiner Liga ein.

Die 40er Jahre brachten viele Umwälzungen ins Wrestling, wie die NWA-Gründung 1948 oder Fred Kohlers Saturday Night Shows ab 1949 im Fernsehen. Übertragen aus der Chicagoer "Marigold Arena". Von den großen Promotern dominierten Tom Packs (St. Louis) und Paul Bowser (Boston) diese Dekade. Ihre World Champions übertrafen auch Jims Erfolge. Privat aber hatte er umso mehr Glück. Jim heiratete Elizabeth und 1944 wurde ihr erstes Kind James Allen "Jim" Jr. geboren. Ihm folgten David, Jackie und Frances. Jim Jr. war die Schlüsselfigur nach dem Tod des Vaters. Er führte JCP weiter.

Amerikas Wrestling-Szene wird 1948 entscheidend verändert. In Waterloo (Iowa) gründen 5 Mid-West Promoter die "National Wrestling Alliance (NWA)". Schon Ende 1950 hatte sie 26 Mitglieder, darunter Mondt, Bowser, Kohler und Eddie Quinn. Die ursprüngliche Ausrichtung der NWA sah keine nationale Ausbreitung vor. Gründer Paul "Pinkie" George strebte lediglich eine Mid-West Allianz an. Doch St. Louis Promoter Sam Muchnick veränderte während seiner 22 Jahre andauernden NWA-Präsidentschaft alle Vorstellungen der anderen Gründungsmitglieder. Muchnick war verantwortlich dafür, dass die Allianz zur internationalen Größe aufstieg. Jim und Bill Lewis verstärkten ihre Kontakte zur NWA. Eine Mitgliedschaft würde auch für sie viel bedeuten. 1951 war es dann soweit: Bei der 4. NWA-Konferenz vom 07.- 09. September 1951 in Tulsa (Oklahoma) wurden beide offiziell als Mitglieder aufgenommen. Dem Grundsatz dieser Epoche folgend, andere NWA-Reviere zu respektieren, bildete Jim eine faire aber auch starke Konkurrenz zu benachbarten Territorien. Er setzte auf sein ursprüngliches Revier Virginia-North Carolina und zog sich aus anderen Regionen des Südostens zurück.

Wo 10 Jahre vorher bereits die Crocketts Wrestling promoteten, kamen seit den 40er Jahren neue Promoter hinzu. Sie gründeten die Promotions, die teils bis in die 80er Jahre existierten. Rund um Charlotte entstanden demnach: das "ABC Booking" in Atlanta, gegründet durch Paul Jones 1944 (später Georgia Championship Wrestling); die Gulas-Welch Enterprises in Tennessee und "Deep South Sports, Inc." (Championship Wrestling from Florida), gegründet durch Clarence Preston Luttrall (später Übernahme durch Eddie Graham). Jim war mit vielen angrenzenden NWA-Promotern befreundet. So schickten z.B. Welch und Gulas aus Tennessee Wrestler ins Crockett-Revier.

Jim war ein Vertrauter von NWA-Präsident Sam Muchnick (St. Louis). Später promotete Jim Jr. hier Wrestling nach Muchnicks Rücktritt 1982. Durch Jims Partnerschaften blieb JCP nahezu unanfechtbar. Angrenzende NWA-Mitglieder hielten größtenteils zusammen. Das war auch der Grund, warum die mächtige "World Wide Wrestling Federation (WWWF)" von Vincent James McMahon nicht nach Südosten erweitern konnte. Dies gelang erst mit dem Auseinanderfallen der NWA. Jims langjähriger Partner Bill Lewis starb am 31. März 1961 mit 62 Jahren. Damit schloss die Lewis-Promotion in Richmond nach über drei Jahrzehnten ihre Pforten. Alle weiteren Rechte übernahm Jim und setzte sein Wrestling in Virginia fort.

Im April 1963 spalteten sich McMahon und Joseph Mondt von der NWA ab, um eine eigene Promotion zu gründen (WWWF). Jim rutschte allmählich auf McMahons Posten als 2. NWA-Vizepräsident. Am 03. Juni reiste er nach Pittsburgh um das erste Match von Bruno Sammartino als neuer WWWF-Champion zu sehen. McMahons Superstar sozusagen. Jim saß im Publikum neben anderen Promotern darunter: Ray Fabiani, Sam Muchnick, Morris Sigel und Frank Tunney. Noch im August 1963 wählten ihn die NWA-Mitglieder zum 2. NWA-Vizepräsidenten. In der Reihenfolge war dies die dritte Führungsposition. 1970 etablierte Crockett den "Eastern States Heavyweight Title". Als ersten Titelträger wählte man Pat O'Connor. Eigentlich war O'Connor kein wirklicher Träger dieses Titels, da die Ernennung durch Fiktion geschah. Im Fernsehen verkündete man O'Connors Sieg über den Missouri Mauler in New York. Tage später schrieb die Presse, dass Mauler angeblich gewonnen hätte. Mit der Etablierung des Showformates "Mid-Atlantic Wrestling", im März 1972, wurde Geschichte geschrieben. Es war Crocketts letzter großer Verdienst, den er bis zum richtigen Erfolg aber nicht mehr miterleben konnte. Anfangs hielt sich jene Bezeichnung Mid-Atlantic nur auf Plakaten. Ab 1973 jedoch begann eine stetige Verbreitung des Namens.

JCP konnte auf ein Revier in den 70er Jahren zurückblicken, das nunmehr auch West Virginia umfasste. Jim sah die Zeit gekommen, sich zurück zu ziehen. Auch aufgrund einer bereits angeschlagenen Gesundheit. Sein Schwiegersohn John Ringley übernahm zunächst ein Großteil aller Crockett-Territorien. Am 30. März 1973 klagte Jim über ernste Atemprobleme und wurde in ein Charlotter Krankenhaus eingeliefert. In den frühen Morgenstunden des 01. April 1973 starb dieser große Veteran des Wrestlings im Alter von 64 Jahren. Er hinterließ geordnete finanzielle Verhältnisse, die die Zukunft seiner Promotion sicherten. Jim war beliebt unter vielen Wrestlern und Angestellten. Auch ist er vielseitig aktiv gewesen, besonders im Tag-Team Wrestling. Das spielte bei JCP eine große Rolle. Er veranstaltete Konzerte, Theaterspiele, Baseball- und Hockeyturniere. Alles unter dem Dach von JCP. 25 Jahre lang veranstaltete er Shows im Greensboro Coliseum, das Platz für 16000 Menschen hatte. Jim wurde auf dem Glenwood Friedhof in Bristol beerdigt.

Nach seinem Tod gingen sämtliche Rechte an Jim Crockett Jr. über. Er holte George Scott ins Team und begann damit, die verstreuten lokalen Fernsehshows zu bündeln. Unter Jim Sr. gab es zahlreiche TV-Formate, wie Championship Wrestling, All-Star Wrestling oder East Coast Wrestling. Diese und andere Bezeichnungen verwendete Crockett auch für Zeitungsanzeigen bzw. Programmhinweise. Jim Jr. beendete die wöchentlichen Ausstrahlungen in Charlotte, Greenville (S.C.) und High Point (N.C.), um fortan eine Hauptsendung am Mittwochabend auf WRAL in Raleigh (N.C.) ausstrahlen zu lassen. 1981 wechselte diese Sendung zu den WPCQ-Studios in Charlotte. Diese gehörten davor Fernsehgigant Ted Turner. Jim Jr. entschied sich für "Mid-Atlantic Championship Wrestling", als Name der Hauptsendung. JCP blieb aber die Organisation hinter Mid-Atlantic. Am 06. September 1973 schließlich wurde Jerry Brisco als neuer Mid-Atlantic Heavyweight Champion in Greensboro vorgestellt. An jenem Abend endete die Ära des Eastern States Title. 1975 debütierte das TV-Format "Wide World Wrestling", das Crockett 1978 in "World Wide Wrestling" umbenannte. Nach Schließung von JCP existierte das Format als "WCW World Wide" weiter. Crockett benutzte beide Formate für seine Shows.

Seit den späten 70er Jahren begann ein regelrechtes Promotionsterben. Independent-Gruppen existierten nur wenige Monate bis 2 Jahre. 1982 übernahm Vincent Kennedy McMahon die 1979 umbenannte "WWF". Diese starke Konkurrenz konnte man nicht mehr aufhalten. Es ist ein langer und zäher Machtkampf gewesen, den McMahon schließlich für sich entschied. Nach Schließung von Georgia Championship Wrestling 1984, blieben noch Crockett und Donald Owen als letzte NWA-Mitglieder übrig. Owen war nicht im Machtkampf zwischen Crockett, McMahon und Fernsehgigant Ted Turner beteiligt. Er trat aus Altersgründen 1992 zurück, als letzter Vertreter der alten NWA-Garde. Owen war mit 41 Jahren am längsten Mitglied.

Crockett war nicht Besitzer der NWA, hielt aber 65% ihrer Anteile. Die Allianz gehörte zu keinem Zeitpunkt einem Promoter. Am 02. November 1988 schließlich verkaufte Crockett alle Rechte an "Turner Broadcasting System (TBS)". Turner zahlte 9 Millionen Dollar. Damit schloss die Jim Crockett Promotions für immer ihre Pforten. TBS benannte das Label JCP in "World Championship Wrestling (WCW)" um. Am 31. Dezember 1990 stellte die NWA kurzfristig ihren Betrieb auf Null. Herbe Verluste zwangen sie zu diesem Schritt. Am Neujahrstag des Jahres 1991 endete das alte NWA-Format für immer. Die Allianz wurde als selbstständige Promotion aufgelöst. Die Zukunft gehörte der WWE und WCW.
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#19
Teil 9 - Johnny Doyle

Die USA hatten schon sehr viele Promoter, die sich um das Wrestling verdient gemacht haben. Aber nur wenige davon sind so einflussreich gewesen, dass sie eine ganze Generation von Wrestlern bis zur Spitze führten. Zu ihnen gehörte auch Johnny Doyle.

Der Sohn eines Zeitungsredakteurs hieß richtig John James Doyle und wurde am 06.04.1909 in Illinois geboren. Anfang der 20er Jahre zog seine Familie nach Pasadena/Kalifornien. Johnny folgte dem Vater im Zeitungsgewerbe, bis er sich ab Mitte der 30er Jahre als Co-Promoter in Wilmington versuchte. In dieser Zeit begannen auch Ray Fabiani und Joseph "Toots" Mondt ihr Geschäft nach Kalifornien zu verlagern. Sie arbeiteten schon eine Weile zusammen und gehörten zur Spitze der amerik. Veranstalter. Doyle stieg die Karriereleiter nach oben, da Fabiani und Mondt ihn zum Matchmaker machten. Bald war Johnny ein fester Mitarbeiter mit zahlreichen Verpflichtungen in Kalifornien und New York. Fabiani hatte sein Hauptquartier in Philadelphia, während Mondt bis 1940 fast ausschließlich an der Westküste veranstaltete. 1940 wurde das Los Angeles Booking Office umstrukturiert: Jack und Lou Daro verkauften ihre Anteile. Nick Lutze zahlte den Matchmaker Toots Mondt aus, da dieser nach New York zurückkehren wollte. Lutze' Anteil kauften dann aber Floyd Musgrave und Johnny Doyle. So kam Doyle an jenen Posten, von wo aus er sein Millionen-Imperium aufbauen konnte. Johnnys Geschäftspartner Floyd Musgrave starb 1948, worauf nun er das größte Booking Office im Großraum Los Angeles-Süd Kalifornien leitete.

Als beliebter Austragungsort von Wrestling-Shows etablierte sich das Los Angeles "Olympic Auditorium". Doyle teamte mit dem Manager dieser Halle Cal Eaton und formierte im April 1950 die "Ring Talent, Inc.". Der dritte Teilhaber war Mike Hirsch (Ocean Park Arena/Santa Monica). Ring Talent organisierte die Fernsehshows, die maßgeblich durch Doyle vorangetrieben wurden. Das Vorhaben stand unter dem Banner der "John James Doyle Enterprises". Diese Gesellschaft bookte fast alle Schwergewichte an örtliche Promoter. Für Doyle kämpften u.a. Baron Michele Leone, Primo Carnera, Gorgeous George und Enrique Torres. Am 21.05.1952 konnte Johnny einen riesigen Erfolg verbuchen. Über 25000 Zuschauer sahen im Auditorium das Match zwischen Leone und Lou Thesz, um die Olympic Auditorium Version des World Title. Zum ersten Mal wurde hier auch eine wichtige Grenze überschritten. Mit 103.000 Dollar brach Doyle den alten Einnahmerekord von 1934. Damals brachte der Kampf Ed Lewis-Jim Londos in Chicago rund 96.000 Dollar ein.

Wenige Monate später unterschrieb Doyle einen Multi-Millionen Dollar Vertrag mit dem ABC-Network. Ab Januar 1953 sendete man die Shows aus dem Olympic Auditorium (Kanal 7 KECA-Los Angeles) in 11 westliche Bundesstaaten. Sogar Mexiko erreichten diese Aufnahmen. Durch Doyles Fernsehformate kassierten Manager wie Cal Eaton Unsummen an Gelder. Wahrscheinlich dürfte hier der Grund für spätere Feindseligkeiten gelegen haben. In Los Angeles gab es regelmäßig Streit um Fernsehrechte oder Booking-Verträge. Längst war Kalifornien ein boomender Markt geworden, als Doyle im Januar 1954 seine Enterprise-Gesellschaft schloss. Eaton, Hirsch und Hugh Nichols (Legion Stadium/Hollywood) zahlten Doyle aus und gründeten das "California Wrestling Office". Doyle trat dem Team von Vincent James McMahon in Washington D.C. bei. McMahons Gruppierung konnte seit 1956 stärkere Erfolge verbuchen. Nach Gründung der "Capitol Wrestling Corporation" übernahm Johnny den Posten des Vizepräsidenten. Er war auch am Aufbau des zentralen Booking Office Washington D.C. beteiligt. Doch schon Ende 1957 wechselte Doyle zur Konkurrenz nach Boston. Er übernahm das Booking von Edouard Carpentier und arbeitete mit dem Paul Bowser-Eddie Quinn Duo zusammen. Diese beiden Promoter kontrollierten Carpentiers Auftritte. Bowser nutzte Doyles Fähigkeiten im Fernsehgeschäft aus. Fortan bookte Johnny die Wrestler von Boston nach New York in den Sunnyside Garden. 1958 organisierte er die Übertragung der Veranstaltungen aus Boston auf dem New Yorker Sender WOR-9.

Im Frühjahr 1959 war Doyle schon wieder unterwegs, um sich mit einem alten Freund namens James E. Barnett zur "Doyle-Barnett Corporation" zusammen zu schließen. Die Organisation hatte zahlreiche andere Investoren wie z.B. Frank Tunney. Doyle und Barnett verlagerten ihren Hauptsitz nach Detroit ins Penobscot Building. Barnett veranstaltete jedoch weiterhin in Indianapolis. Anfang April 1959 startete die erste Show im örtlichen "Olympic" unter ihrem Banner. Nicht weniger als 16000 Zuschauer sahen das Programm. Bald gehörten solche Zuschauerzahlen zum Standard. Doyle schaffte es zahlreiche bekannte Größen nach Detroit zu locken: Fritz Von Erich, Dick "the Bruiser" Afflis, Wilbur Snyder, Verne Gagne, Bobo Brazil, Bearcat Wright und "Cowboy" Bob Ellis. Ab 1961 verstärkte Doyle wieder sein Arrangement in Kalifornien. Er investierte in San Francisco, wo Roy Shire eine neue Promotion eröffnete. Durch Doyles Investition verdrängte Shire den Konkurrenten Joe Malcewicz. Am 04.03.1961 startete Shire seine erste Show im "Cow Palace". Es war wieder Johnny, der Wrestler wie Ray Stevens, Angelo Savoldi, Antonino Rocca oder Don Leo Jonathan hierher lockte. In Los Angeles bookte er die "Sports Arena" und übertrug seine Shows mit Unterstützung der KTLA Studios.

Amerikanische Historiker sagen heute, dass Doyle und Barnett zeitweise das größte Geschäft im Wrestling aufbauten, bevor sie nach Australien auswanderten. Diese Aussage wird noch dadurch bestärkt, weil ihre Veranstaltungen in Detroit oder Denver regelmäßige Zuschauerrekorde verzeichneten. 1963 zog sich Doyle aus Detroit und Denver zurück. Ein Jahr später kaufte Ed "the Sheik" Farhat Doyles und Barnetts Anteile für Detroit. Damit begann die Erfolgsgeschichte von "Big Time Wrestling". 1964 erreichte Doyle wohl den letzten Karrieresprung. Sam Menacker, ein befreundeter Promoter, überredete ihn nach Australien auszuwandern. Barnett ließ auch nicht lange auf sich warten. Sie gründeten die "International Wrestling Alliance" mit dem Fernsehformat "World Championship Wrestling". So war also jene Bezeichnung WCW keine Erfindung aus den 90er Jahren. Doyle teilte sich mit Barnett alle geschäftlichen Belange und arbeitete abwechselnd fünf Monate in Australien. Nach Sidney und Melbourne reisten viele namhafte Wrestler wie Killer Kowalski, Dory Funk Jr., Jack Brisco oder Spiros Arion.

1968 beendete Doyle seine Veranstalter-Laufbahn und überließ Barnett alle Geschäfte. Dieser konnte die Promotion noch bis 1974 halten. Johnny zog sich auf sein Anwesen nach Palm Springs/Kalifornien zurück. Dort starb er am 09.10.1969 an den Folgen eines Krebsleidens.
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#20
Teil 10 - Vincent James McMahon

[Bild: http://srv027.pixpack.net/20080320180327...vhtvgf.jpg]

Die Karriere des großen Wrestlingpromoters ist ihm in die Wiege gelegt worden. Von Anfang an war Vincent James McMahon ("Vince Sr.") mit allen Facetten, die das Profigeschäft bot, vertraut. Als zweiter Sohn von Roderick James "Jess" McMahon wurde Vincent James am 06.07.1914 in Harlem, New York geboren. Seine Großmutter Elizabeth McMahon zog damals mit der Familie nach West Harlem in die Amsterdam Avenue. Jess war eine bekannte Größe der New Yorker Faustkampfszene und arbeitete seit 1925 im Team von Tex Rickard als Matchmaker des dritten Madison Square Gardens. Dieser eröffnete im Dezember 1925 offiziell seine Pforten. Jess nahm den jungen Vince öfters zu Veranstaltungen mit. Im Backstage-Bereich bekam er erstmals tieferen Einblick ins Geschäft seines Vaters. Die turbulente Karriere von Jess setzte sich während der 30er Jahre fort. Nach der Kündigung seines Jobs im MSG 1928, veranstaltete er kleinere Boxkämpfe und Konzerte. Um 1933 veranstaltete Jess Wrestling im Municipal Stadium in Freeport, Long Island (New York). Vince kam etwa im gleichen Zeitraum zum Wrestling, als sein Vater die Shows in die Hempstead Arena verlagerte. Selbst heute noch wird Jess nur mit Boxkämpfen in Verbindung gebracht. Doch er war auch gut 20 Jahre lang ein Wrestlingpromoter.

Vince absolvierte zunächst den Militärdienst und arbeitete danach hauptsächlich als Konzertpromoter. 1947 reiste er nach Washington D.C., wo man ihn Ende 1948 zum Matchmaker der Turner-Arena beförderte. Die Erfolgsgeschichte seines Imperiums begann nicht in New York, wie vielfach behauptet wird. Die Keimzelle der WWF lag damals in Washington. Im Dezember 1952 schließlich kaufte Vince die Rechte der Turner-Arena und veranstaltete seine erste Wrestling-Show am 07.01.1953. Durch Jess' Kontakte u.a. zu Joe "Toots" Mondt kamen zahlreiche bekannte Wrestler in die amerikanische Hauptstadt. Dazu gehörten: Primo Carnera, Lu Kim, the Golden Terror, the Zebra Kid und Antonino Rocca. Drei Jahre später schloss Vince einen Sendevertrag mit dem DuMont-Network ab, dass die Shows aus der mittlerweile umbenannten Capitol Arena im Fernsehen übertrug. Sendestart war am 05.01.1956 auf Kanal 5 WTTG-Sender in Washington D.C.. Das Jahr 1956 markierte im Leben von Vincent einen bedeutenden Wendepunkt: Sein Geschäftspartner Toots Mondt in New York, mit dem er seit 1952 zusammen arbeitete, orderte ihn zusehends ins New Yorker-Revier, um sich dem wachsenden Geschäft einiger Konkurrenten entgegen zu stellen. Mondt war bereits seit 1949 wieder im MSG aktiv. Die einflussreichen Manager und Matchmaker vom Garden, die Johnstons, erlaubten Mondt das Austragen eigener Veranstaltungen. Erst dadurch ist ein Aufbau überhaupt ermöglicht worden. Mondt konstituierte sich mit McMahon neu und am 26.11.1956 veranstalteten beide ihre erste gemeinsame Show im MSG. Das Vorhaben stand in Beziehung zur "Capitol Wrestling Corporation (CWC)", die offiziell im August 1957 in den Handelsregister von Washington eingetragen wurde. Als Gründungsjahr dient häufig der Beginn von Mondts verstärkter Zusammenarbeit mit Vince 1952. Beide fungierten als Gesellschafter bis Vince ein paar Jahre später das Zepter komplett übernahm. Ab 1957 verkaufte er auch Anteile an seine wichtigsten Geschäftspartner William Gilzenberg und Philip Zacko.

Capitol Wrestling war seit 1953 durch Mondts Mitgliedschaft ein Teil der NWA. Vince wurde nach der NWA Konferenz 1959 zum Mitglied ernannt. Andere Berichte, wonach die Promotion als Capitol Sports seit 1948 zur NWA gehörte, sind schlichtweg falsch. Auch war sein Vater Jess McMahon nicht am direkten Gründungsprozess von Capitol Wrestling beteiligt. Im Februar 1959 dann startete Vince das Sendeformat "Heavyweight Wrestling from Bridgeport". Es war seine zweite Fernsehsendung, die in New York bis April 1966 zu sehen war. Wenige Monate nach dem Sendestart in New York, kam der Sponsorenvertrag mit Chicago-Promoter Fred Kohler. Ab September 1959 sendete man das Programm auch in Chicago. Diese Sendungen brachten Vince sehr viel Einfluss und Kontakte. Sein erstes wirkliches Zugpferd war Antonino Rocca. Durch dessen Popularität steigerte Vince seine Einnahmen im MSG erheblich. Roccas Erfolg in New York schwindete, da Vince schon einen Haufen anderer guter Wrestler beschäftigte. Die besten darunter waren damals Buddy Rogers und Bruno Sammartino. Er zog den NWA World Champion Rogers vermehrt auf seine Seite und provozierte dadurch einen Machtkampf mit NWA Präsident Sam Muchnick. Im April 1963 endete diese jahrelange Kontroverse mit dem Austritt von McMahon und der Gründung der "World Wide Wrestling Federation (WWWF)". Die WWWF gehörte zu Capitol Wrestling, die als Gesellschaft bis zum Rechteverkauf an Titan Sports, Inc. existierte. Zwischen 1966 und 1969 bekam Vince häufig Probleme mit seinen Fernsehsendungen. Häufig wechselte man den Sendeplatz. Ende der 60er Jahre überstand Vince auch eine Krise in New York. Durch den Einbruch der Zuschauerzahlen im MSG drohte ein wichtiger Markt weg zu brechen. Sein bester Wrestler Bruno Sammartino konnte binnen eines Jahres die Zuschauerzahlen wieder nach oben treiben. Während der Krise war man sehr weit von den durchschnittlich 20000 Zuschauern entfernt.

Nach Formierung des neuen Promotionsformates 1963 verlagerte Vince den Hauptsitz nach Newark (New Yersey) zu WWWF-Präsident William Gilzenberg. Gilzenberg war maßgeblich am Erfolg beteiligt, wie auch Philip Zacko. Zacko war CWC-Vizepräsident bis 1982. 1971 verlagerten er und Vince die Fernsehübertragungen aus Kostengründen nach Hamburg und Allentown. Vince konnte sich auf seinen Teampartner verlassen, der zur wichtigsten Figur außerhalb von New York wurde. Zacko organisierte den Hauptteil der WWWF Shows in Pennsylvania und Maryland. 1973 kam für Vince das nächste große Geschäft zustande, als Frank Valois in seinem Office Andre Roussimoff präsentierte. Er soll fast vom Hocker gefallen sein. So eine imposante Erscheinung hatte Vince zuvor wohl nur selten gesehen. Wahrscheinlich nur da, wo er den 600 Pfund schweren Haystacks Calhoun verpflichtete. Andre Roussimoff debütierte im gleichen Jahr als "Andre the Giant" in der WWWF und ließ die Gewinne von McMahons Promotion deutlich ansteigen. Im März 1979 entschieden sich die Gesellschafter von Capitol Wrestling für die Umbenennung der WWWF in "World Wrestling Federation (WWF)". Also jenes Format, das wohl jeder Wrestlingfan bis heute kennt. Teilhaber im Team von Vince waren nunmehr: Zacko, Arnold Skaaland und Gorilla Monsoon. Besonders Monsoon bekam auch unter Vince Jr. bedeutende Rechte zugesprochen. Ein Wrestler namens "The Incredible" Hulk Hogan debütierte im November 1979 bei McMahon. Es war noch einmal eine riesige Erfolgsgeschichte, die Vince wenige Jahre vor dem Ende seiner Laufbahn startete. Um 1981 erkrankte Vince Sr. an Krebs und übergab das Geschäft allmählich an seinen 1945 geborenen Sohn Vincent Kennedy McMahon. Dieser gründete 1980 eine eigene Gesellschaft mit dem Namen "Titan Sports, Inc.". Titan Sports stand hinter der WWF und auch hinter allen Fanartikel-Verkäufen oder sonstigen Aktivitäten. Offiziell entschieden sich die Capitol Wrestling-Teilhaber Vince Sr., Arnold Skaaland und Gorilla Monsoon am 06.06.1982 für den Rechteverkauf an Vince Jr.. Berichten zufolge soll er rund 1 Million Dollar dafür bezahlt haben. Capitol Wrestling wurde als Gesellschaft geschlossen.

Vince war in zweiter Ehe mit Juanita verheiratet und zog 1971 von Gaithersburg (Maryland) nach Plantation, einem Vorort von Fort Lauderdale (Florida). Er hinterließ seinem Sohn eine starke Promotion, die den Konkurrenzkampf mit der NWA überstehen sollte. Seit den späten 70er Jahren zerfielen die alten NWA-Reviere immer mehr und Vince Jr. nutzte seine Machtposition aus, um andere Ligen zu kaufen. Vince Sr. hatte sich stets um ein gutes Geschäft bemüht. Heute macht die WWE einen dreistelligen Millionengewinn. Dieser Erfolg war maßgeblich Vince Sr. zu verdanken, der die Promotion durch alle damaligen Krisen führte. Anfangs waren erhebliche Anstrengungen notwendig, um so eine Liga aufzubauen. Die Liste der Wrestler ist zu lang für diesen Artikel und auch die anderen Verdienste von Vincent würden wahrscheinlich ein Buch füllen. Nach langer Krebserkrankung starb Vincent James McMahon am 27.05.1984 in seinem Haus in Plantation, Fort Lauderdale kurz vor seinem 70. Geburtstag. Sein langjähriger Mitarbeiter Philip Zacko starb 1993 im Alter von 87 Jahren.
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