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Die großen Catcher-Skandale
#21
Hallo Ronald.

Weiterhin Danke für deine Treue. Ich habe die PM, die du Snowder geschrieben hast, inzwischen ebenfalls gelesen und werde mich am Wochenende darum kümmern.
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#22
Teil 6 - Klaus Wallas unter Mordverdacht

“Vermutlich konnte er nicht zahlen, wurde deshalb vielleicht in Beton gegossen und in der Weser versenkt” - so die Aussage eines Kripo-Beamten gegenüber der “Bild”-Zeitung im Juni 1992. Obwohl sich diese Zeilen später als unbegründet erweisen sollten, lieferten sie doch den Zündstoff für einen handfesten Catcher-Skandal. Verwickelt darin waren die beiden Ex-Catcher Klaus Wallas, mehrfacher österreichischer Meister im Judo und 1976 Olympia-Siebenter in Montreal, sowie der aus Bulgarien stammende Hüne Dimitri Dimoff, Spitzname “Jumbo”. Knapp drei Jahre nach dem Verschwinden des Bremer Gastwirts Oskar Schön, erließ ein Linzer Richter gegen Wallas und Dimoff Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts. Die haarsträubende Geschichte erregte nicht nur unter Catch-Freunden Aufsehen, auch eine z.T. sensationshungrige Presse fand mal wieder ein gefundenes Fressen.

Schön verschwand am 27. September 1989 spurlos vor seinem Lokal “Lambada” am Ostertorsteinweg in Bremen. Er soll 200.000 Mark bei sich gehabt haben, vermutlich um Spielschulden zu begleichen. Sein Nachtlokal war stadtbekannt, auch der 2004 verstorbene Catch-Veranstalter Nicola Selenkowitsch gastierte hier mehrfach. Am Abend vor Schöns Verschwinden bestätigte sich durch Zeugenaussagen, dass Wallas und Dimoff mit diesem zusammen “17 und 4” spielten. Der Gastwirt soll dabei 100.000 Mark verloren haben. Um die Schulden einzutreiben, vermutete die Bremer Kriminalpolizei lange, dass die beiden Ex-Catcher ihr angebliches Opfer vor dessen Kneipe abfingen und kaltblütig ermordeten. In dem belebten Bremer Stadtteil allerdings sehr schwierig durchzuführen. Tatsächlich waren Wallas und Dimoff an jenem Septembertag im Lambada unterwegs. Wallas gab zu Protokoll, dass Schön auffallend nervös am Gehsteig vor seinem Lokal wartete. Es hätte ihn allerdings nicht mehr interessiert, da er sein Auto aufsuchte, um nach Linz zurück zu fahren. Die brisante Geschichte erregte erst wieder Aufsehen, als der Linzer Richter Karl Makovsky am 16. Juni 1992 Haftbefehl gegen mehrere Personen erließ, dessen Schuld an Schöns Verschwinden nachgewiesen sei. Neben Wallas und Dimoff verhaftete die Polizei den 52-jährigen Karl H., den Kaufmann Wolfgang B. sowie den 32-jährigen Georg H.. Da verbotenes Glücksspiel an sich kein Haftgrund war, fand Staatsanwalt Reinhard Führlinger noch mehr Verdachtsmomente: Mord, Betrug, Schutzgelderpressung, Bandenbildung und Falschspiel. Ja sogar Waffenschmuggel wurde ihnen zur Last gelegt. Wie konnte es überhaupt zu diesen Vorwürfen kommen?

Was Wallas nicht ahnte: Bereits Monate vor seiner Verhaftung beschäftigte sich ein aus 20 Beamten bestehendes Polizeiteam um den Fall Oskar Schön. Nach dem man Wallas’ Telefon längere Zeit anzapfte, angebliche Verbindungen ins Glücksspielmileu feststellte und Anfang 1992 weitere Zeugen aussagten, erfolgte der Zugriff. Aus polizeilicher Sicht hat sich die Tat so zugetragen: Schön bekam einen Anruf, in dem ein Treffen am Abend vor seiner Kneipe vereinbart wurde. Wallas und Dimoff hätten ihn dann getötet, da Schön seine Spielschulden nicht begleichen konnte. Die beiden Tatverdächtigen gossen ihr Opfer in Beton, um es anschließend in der Weser zu versenken. Schöns Lokal war für Glücksspiele bekannt, weshalb die Polizei auch gleich Verbindungen zu dem Wiener Karl H. vermutete. Diesem wurden Verbindungen zur Wiener Untergrundszene nachgesagt. H. sagte später: “Wir haben ja gewusst, dass unser Telefon abgehört wird und haben deshalb schmähhalber über einen Spielgewinn von 400.000 Schilling geplaudert.”

Als die Polizei dann gezinkte Würfel bei einem der Catcher beschlagnahmte, geriet H. unter Mordverdacht. Wolfgang B. geriet in Verdacht, da er als Automatenaufsteller bei Schön einige Geräte installiert hatte. Zu guter Letzt musste auch Georg H. in U-Haft. Er war erwischt worden, wie er von den USA ein zum manipulieren von Spielautomaten konstruiertes Gerät nach Deutschland schmuggelte. Ein abgehörtes Telefonat mit Wallas sei Grund genug gewesen. Was an der ganzen Geschichte aber fehlte, war die Leiche des Gastwirts. Auch nach knapp drei Jahren blieb Schön wie vom Erdboden verschwunden. Richter Makovsky vernahm die Tatverdächtigen in stundenlangen Verhören. Mitte Juni 1992 entschied die Kammer des Linzer Landesgerichts, dass Dimoff vom Verdacht des Mordes freigesprochen wird. Die Darstellung der beiden Ex-Catcher konnte die Polizei nicht widerlegen. Es ist nie bewiesen worden, dass sich Schön mit jemandem getroffen hatte. Wallas und Dimoff haben ihn zwar am Tage seines Verschwindens gesehen, jedoch keinen Mord begangen. Auch alle anderen Verdachtsmomente mussten nach der Haftbeschwerde von Wallas’ Anwalt Dr. Wolfgang Moringer fallengelassen werden.

Am 01. Juli 1992 kam es zur Verhandlung vor dem Landesgericht, das nun über eine Verlängerung der U-Haft entscheiden musste. Der Senat befürwortete eine Entlassung Wallas’, wogegen sich jedoch Staatsanwalt Führlinger aussprach. Zur Verhandlung vor dem Linzer Oberlandesgericht kam es allerdings nicht mehr, da Führlinger, nur einen Tag später, den Haftbefehl zurückzog. Wallas und Dimoff konnten das Gefängnis nach zweiwöchiger U-Haft verlassen. Das Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. Moringer sagte, um allen weiteren Gerüchten vorzubeugen: “Es wurde rechtskräftig festgestellt, dass der Verdacht gegen Wallas unbegründet ist.” Wallas hatte so seine eigene Meinung dazu: “Wamma groß is, kann ma leicht a Mörder sein. Dass die Kloan a giftig san, des glaubt kana. I kann nix dafür, dass i so g’wachsen bin. Nach der Optik derf ma net gehen. I bin a gefühlvoller Mensch.” Und das er groß war, kann man beim besten Willen nicht anzweifeln. Dazu noch gute 110kg auf die Waage brachte. Die Mordvorwürfe haben ihn sehr belastet, was auch zur einer Art Rufmord führte. Aber was verbindet ein Fanatiker des Catchens heute noch mit Wallas?

Klaus Wallas, gelernter Drogist, stammte aus dem österreichischen Saalfelden, wo er schon früh seine spätere Ehefrau Roswitha kennenlernte. Sie waren dann 16 Jahre lang glücklich verheiratet. Wallas ist einer der besten Judokas in Europa gewesen. Im Wohnwagen reiste er mit der Familie von Turnier zu Turnier, war in Bremen das letzte Mal 1986 als Catcher unterwegs. Wallas eröffnete in Linz gleich drei Lokale, wovon ihm aber nur noch sein “Cin Cin” blieb.

Das Catchen hat durch diverse Skandale einen schlechten Ruf bekommen. Jedoch fand man ähnliche Sachen, um Absprachen oder Schiebungen, auch in anderen Bereichen des Sports. Catchen zwischen Sportart und lachhafter Verspottung - der Profiringkampf hat es wahrhaft nicht leicht gehabt. Mit Teil 6 endet die Serie “Die großen Catcher-Skandale”.

Ende
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#23
Wallas Kommentar ist der Hammer. Breites Grinsen
Sehr mysteriös da Ganze. Danke für die tolle Serie und ich hoffe wir sehen noch viel mehr von dir.
Daumen hoch
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#24
Hast du das denn überhaupt verstanden?? Breites Grinsen Das ist so eher der Ösi-Akzent. Ich fands auch sehr amüsant.
Und auch ich möchte mich für diese weitere informative Kolumne bedanken. Weiter so. Bier
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#25
Wirklich sehr interessant und mysteriös das Ganze. Vielleicht schafft es ja dieser Thread dieses Jahr zum grössen Thread des Jahres!
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#26
Wohl eher nicht. Ronald hat den Thread bereits als beendet erklärt.
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#27
Sollte man den letzten kleinen Rest also auch noch lesen Breites Grinsen
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